Leon Campen

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Vor sieben Jahren war ich um diese Jahreszeit in Australien. Hier ein Auszug aus meinen Tagebüchern.

Fekala at Myall Lakes, New South Wales,

Australia, 23 February 2010

 

Ein Hallo aus Australien sendet dir Leon Campen. Meine Rumreise an der Ostküste von Australien geht nun dem Ende zu. Ich habe schon sehr vieles erlebt, vor allen Dingen interessiere ich mich für die Menschen im Lande, wie sie leben, wie sie denken und fühlen. Nebenbei gilt meine Aufmerksamkeit der Natur, den Tieren und Pflanzen. Tausende von im Bädeker „Australien“ angepriesene Sehenswürdigkeiten habe ich nicht aufgesucht. Und wenn sich einer entrüstet, weil ich dieses oder jenes noch nicht gesehen habe, so entgegne ich, dass ich es mir bei meinem Bildungsgrad und meiner Sicht der Welt leisten kann, etwas noch nicht gesehen zu haben. „Hast Du auch ein Känguru gesehen?“ wird man dich in Deutschland fragen. Die Frage musst Du unbedingt mit ja beantworten können, sonst bist Du bei den Fragern durchgefallen. „Also, bemühe dich, dass Du Kängurus zu sehen bekommst!“ „Und den Red Rock, den darfst Du auf keinen Fall auslassen, sonst bist Du unten durch bei denen!“

„Ja, ja, sage ich, ich bin geschwommen in der Red Rock Bucht. Die kennst Du wohl nicht! Ich aber! Ätsch!“ Wozu die Angeberei? Mir gefällt die Art meiner Reise und habe sehr vieles gelernt. Es gab etliche Schwierigkeiten. Die hat man, wenn man im fremden Land ohne Fremdenführer reist. Man darf den Australiern ebenso wenig  wie den Indern keine Frage stellen, deren Beantwortung ihre Unkenntnis verraten würde. Wenn ich frage: „Kannst du mir sagen, wo der Circular Quay ist?“ dann kann ich Glück haben, wenn der Angesprochene es weiß und es mir richtig sagt. Ich kann aber auch Pech haben, wenn er es nicht weiß. Das darf er auf keinen eingestehen. Deshalb erfindet er eine Antwort, die recht plausibel klingt, aber nicht den Tatsachen entspricht. Selbst die Auskunft bei den Bus- und Zugverbindungen ist nicht zuverlässig. Darum habe ich gelernt, mindestens dreimal nach dem Weg zu fragen, bis die Mehrheit der Auskünfte die richtige Weisung herausschält.

„Das ist Australien!“ sagen die Australier stolz und lachen über diese Tatsache. Sie schicken dich einfach irgendwo hin, wenn sie es nicht wissen. Doch einmal habe ich einen Mann auf der Straße erlebt, der ganz beschämt zu Boden blickte und mit kleinlauter Stimme eingestand, als erwarte er eine Tracht Prügel, dass er bedauere, mir nicht helfen zu können: „Sorry, I don’t know!“ - und wandte sich ab. Und genau vor diesem Menschen habe ich große Achtung.

 

Die erste von sechs Etappen meiner Rumreise (nicht Rundreise, das ist kein Tippfehler) war die von vielen Ausländern als Hauptstadt Australiens genannt wird: Sydney. Diese Stadt ist aber nicht die Hauptstadt dieses Kontinents. Das ist Canberra.

In Sydney war ich zu Gast bei einem Mitglied des Hospitality Club, der mich eingeladen hatte bei ihm zu wohnen. Anatoly ist sein Name. Mit 64 Jahren hat er vor kurzem eine junge Philippinin mit Namen Jane zur Frau genommen, die ihm den Haushalt führt. Dann wohnen bei ihm noch ein Student Omid aus dem Iran und dessen Verlobte Bahareh. Anatoly wohnt im achten Stock eines Ressorts, das aus 800 Wohneinheiten besteht und äußerst gepflegt ist. Er hat eine Eigentumswohnung mit einem großen Wohnzimmer, groß genug, um einen Teil mit einer spanischen Wand abzutrennen, hinter der ich wohne.

Wir sind eine Wohngemeinschaft, jeder darf die Küche benutzen, seine Lebensmittel im Kühl- oder Gefrierschrank aufbewahren. Die Ernährungsweisen der fünf Personen sind auch derart unterschiedlich, dass sowieso für jeden extra gekocht werden müsste. Selbst Jane und Anatoly essen nicht immer zusammen und Jane hat ihre Essgewohnheiten von den Philippinen noch nicht abgelegt. Das machte sich übel bemerkbar, als ich die beiden zu einem Frühstücksbüffet eingeladen hatte und Anatoly darauf drängte, Jane möge mehr essen. Wieder zu Hause angekommen, rannte Jane in die Anlagen und kotzte alles wieder aus. „Das Essen hier ist so fremd für mich!“

Anatoly fuhr mich mehrmals mit seinem Wagen rum, besonders zum Einkaufen im Supermarkt.

Er hatte viele Vorschläge, was ich von seiner Wohnung aus alles in Sydney erobern könne. Ich konzentrierte mich auf die City, von wo aus ich mich in alle Richtungen zu Besonderheiten bewegen konnte. Soll ich aufzählen und dich fragen, ob Du denn das auch schon alles gesehen hast? Was sind das schon: „Sehenswürdigkeiten“? Wer ist würdig, gesehen zu werden? Ich stehe da einfach so herum am Circular Quay und lasse die Atmosphäre auf mich wirken. Ich amte die frische, milde Seeluft, der Wind vom Meer verschafft mir wohltuende Kühlung bei einer Lufttemperatur von 30°C. Es ist ein schöner Tag für mich.

Wie ich so da stehe und das Treiben der Menschen beobachte, kommt ein elegant gekleideter, schlanker Herr mit grauem Haar auf mich zu und meint irgendetwas. Wir kommen in ein Gespräch, das kein einfacher Smalltalk ist. Er interessiert sich für alles und alles. „Ihr Englisch ist sehr gut!“ meint er. Er sei auf dem Weg zur Galerie. Ich bin auf dem Weg zu den Botanischen Gärten. Die Galerie liegt hinter den Botanischen Gärten. Also gehen wir gemeinsam, langsamen Schrittes hinauf. Der Herr kennt sich aus und will mir die Wege zeigen, die ich noch nicht im Botanischen Garten gegangen bin. Ich fotografiere die herrlichen Baumriesen und will gerade erzählen, dass meine Mutter auch die Bäume so sehr liebte, dass sie in ihrem Zimmer die Wände mit Waldlandschaften tapezierte. Ich verwerfe die Idee, hiervon zu erzählen, da wir uns schon des Längeren über den zweiten Weltkrieg unterhalten.

Das Gespräch ist so angenehm, dass ich meinen Tagesplan für heute ändere und den Besuch der Galerie vorziehe. Das hört der Herr gerne. Er will mir einiges in der Galerie zeigen und erklären. Um 13 Uhr (1pm) verabschieden wir uns und er geht in einen Vortrag, den ich mir nicht anhören will, weil er auf Englisch gehalten wird.

Natürlich ist die Galerie eine „Sehenswürdigkeit“. Viel sehenswürdiger und erlebenswürdiger war mir der elegant gekleidete, schlanke Herr im grauen Haar, der seit zwanzig Jahren Designer ist und Tapeten krëiert.

Was soll ich dir von Sydney erzählen? Fahr doch einfach hin und atme die Atmosphäre dieser bezaubernden Stadt. City, Hafen, die Brücke, Zoo, Tower, Geschäftsstraßen, Wolkenkratzer, The Rocks, die Menschen, vor allen Dingen die Menschen. Da! ein Aborigines, nein zwei, nein drei – musizierend auf ihren schlechten Alphörnern, rülpsende und pfurzende Laute ausstoßend, tanzende Gruppen, Zirkuskünstler, Auskunft gebende Männer und Frauen in Uniform, eine deutsche Kneipe: zum Löwenbräu, …

Auch hier habe ich herzliche Begegnungen, Kellnerinnen aus Deutschland und aller Welt, internationales Publikum gesellt sich zu mir an meinen Tisch. Wir lachen, wir scherzen, wir fotografieren, wir plaudern auf Englisch, Japanisch, Niederländisch, auch Chinesisch und Koreanisch erklingen. Ich will weiter ziehen. Der aufmerksamste Herr an meiner linken Seite meint, ob wir uns wieder sehen. „Ja, entweder hier oder  „when you leave your boddy“ … Aber jetzt halten sie mich erst noch recht fest. Ich muss noch einiges über das bewusste Leben ohne Körper erzählen.

Viele Gespräche mit Anatoly hatten ich, besonders war er daran interessiert, wie ich den zweiten Weltkrieg erlebt habe. Er selbst erzählte von seiner Familiengeschichte und wie sein Vater vor Moskau gegen die Deutschen kämpfte, verwundet wurde, für tot gehalten wurde und schließlich doch noch gerettet werden konnte. 

Und stell dir vor: Ganze drei Wochen waren wie im Flug vorüber, ehe Anatoly mich zum Flughafen brachte, wo ich eine Maschine zur Gold Coast bestieg und in 85 Minutenmehr mehr als tausend Kilometer weit nach Norden düste. Hier erwartete mich eine völlig andere Welt. Eine Welt der Superreichen: Sanctuary Cove, ein riesengroßes Ressort mit Parkanlagen und Wasserstraßen, mit Golfplätzen und eigenen Wachtrupps. Hier wohnt Derek, ehemals Dieter genannt, mit dem zusammen ich fünf Jahre lang in Waldniel die Schulbank drückte. Er war es, der mich einlud, ihn zu besuchen. Per Google Earth hatte ich schon gesehen, dass er am Wasser wohnt und ein Boot am Ufer hat. Dieter kam mich am Flughafen abholen mit einem knurrigen Brummeln. Seine Begrüßung war ebenso barsch, wie ich ihn am Telefon erlebt hatte. Bald (nach 35 Minuten) hatten wir Sanctuary Cove erreicht und ich staunte nicht schlecht über die tolle Anlage von Villen, alle am Wasser gelegen mit Bootsanlegestellen davor. Das Gelände wird bewacht und Zutritt erhält man nur mit einer codierten Karte oder per Anruf am einzigen Tor.

Ein Prachthaus neben dem anderen. Dereks Frau mit Namen Rikki (Ulrike) begann gleich mit Fragen, ob ich denn dies oder jenes schon gesehen habe. Wie? Nein? Da musst du aber hin. Sie hat Prospekte in Hülle und Fülle, was man von hier aus alles unternehmen kann. Willst Du im Atlantik schwimmen gehen? – Ach, wie kann ich ihnen beibringen, was mich am meisten interessiert? – Sie bewohnen ein Haus, dessen Wert ich auf zwei Millionen Euro schätze, und am Ufer liegt eine Segeljacht mit dem höchsten Mast in der ganzen Umgebung. Ihren Wert schätze ich auf eine weitere Million Euro. Auch darf ich erfahren, was sie sonst noch alles besitzen, aber zurzeit am Verkaufen sind: Zwei Quadratkilometer Urwald mit mehreren Ferienhäusern darauf. Oh, je! Ich frage Derek, ob er mit seinen 75 Jahren gezwungen sei, so viel zu arbeiten, wie ich es bereits erfuhr, oder ob es sein Hobby sei, von Termin zu Termin zu hechten, oder ob es die alte Gewohnheit sei. Es sei sein Hobby, immer noch geschäftlich aktiv zu sein, sagt er.

Am Abend sitze ich mit ihm alleine im moskitodichten Hain, und sogleich kommt er auf früher zu sprechen. Die Vertreibung aus den Ostgebieten, die fürchterliche Not als Vertriebene im Westen Fuß zu fassen. Es ging ums Überleben. Das hat er geschafft, wie sein Bruder Frank auch, und er hat die Arbeitsweise beibehalten bis auf den heutigen Tag: Schaffe, schaffe, schaffe! Er ist den Tränen nahe, als er von früher erzählt. Seine Frau Rikki ist schon schlafen gegangen. Wir gehen auch schlafen, ich in ein superfein eingerichtetes Schlafzimmer mit Waschraum und allem drum und dran.

Es ist hier alles so anders als bei Anatoly in Sydney, nicht nur der offensichtliche Reichtum, der hier vorherrscht, sondern die Stimmung im Umgang miteinander. Während Anatoly und Jane sich amüsieren, turteln und kichern, knurren Rikki und Derek sich immerzu an. Hier eine Kostprobe, wie die beiden sich unterhalten:

Er: Wo ist denn die Gabel?

Sie: Welche Gabel?

Die Gabel, Du weißt genau, welche Gabel ich meine!

Ja? Weiß ich das?

Nun hol schon die Gabel!

Sie liegt doch da!

Wo liegt die Gabel?

Ich dachte, du hättest Augen im Kopf!

Ist wohl nichts damit.

Immer hast Du was zu nörgeln an mir. Sonst kannst du nichts.

Du weißt doch wo Gabeln sind.

Muss ich denn hier immer alles selber machen. Wozu bist du überhaupt nütze?

Und du, wozu bist du denn nütze?

 

Anfangs denke ich, es sind Scherze, die sie machen, und sie steigern sich darin, weil ich lachen muss. Ob es wirklich Scherze sind? – Na? - Wer lacht, der hat was zu verbergen. Was ich wohl zu verbergen habe, wenn die beiden sich kebbeln?

 

 

Paranormale Erlebnisse

 

047 - Dogmen - Welle oder Materie  Ob es außerkörperliche Sender gibt, also so genannte Geister oder Seelen von Verstorbenen, spielt für mich keine Rolle, ich kann das so annehmen oder darauf verzichten. Das macht keinen Unterschied für die Beobachtungen selbst. Überhaupt halte ich es für wenig fruchtbar, die Phänomene rational abkapseln oder sie in eine schon bekannte Schublade stecken zu wollen. Die Frage nach einer Definition des Lichtes hatte die Wissenschaftler in zwei La­ger gespalten, weil die einen sagten, das Licht sei eine Welle in einem Äther, während die anderen beweisen konnten, dass es selb­ständig dahinfliegende Materieteilchen sind. Die Lösung des Strei­tes bestand darin, mit der Frage Schluss zu machen >Was ist Licht<, und stattdessen alle Phänomene unvoreingenommen zu studieren und zu beschreiben. Daraus folgte die Erkenntnis, dass es ein Glau­benssatz gewesen war, der den Streit verursacht hatte, nämlich die für un­umstößlich im Unterbewussten eingebettete Lehre, dass Materie oder Welle ein unvereinbarer Widerspruch sei. Ebenso tief verankert steckt der Glaube daran, dass zwei Körper nicht an einem Ort sein könnten: "Wo ein Körper ist, kann kein zweiter Körper sein!", was sich auch in der Metapher niederschlägt: "Hart im Raume stoßen sich die Dinge!" Es sind, wie ich sehe, Glaubenssätze, die von alltäglichen Erscheinungen abgeleitet sind, ohne das Ganze in Be­tracht zu ziehen. Bei der Vorstellung, einen Geradeausflug ins Weltall hinaus zu ma­chen, unterliegen wir gerne der Vorstellung, das gehe immer gerad­linig weiter, unendlich. Aber das ist nur irrtümliche Vorstellung aufgrund mangelnder Kenntnisse über mehr Qualitäten, die das Uni­versum mit seinem Raum und der vermeintlichen Zeit hat.

 

 

048 - 049 - Begreift Gott - Gibt es bewusste, körperlose Wesen, die die Fähigkeiten haben, mit irdischen, also physi­schen Wesen zu kommunizieren?  Das spielt keine Rolle, ob es sie gibt oder nicht, um mein folgendes Erlebnis zu beschreiben: Mein Kollege Klaus ist gestorben und seine Frau stellt Kontakt zu ihm her mittels eines Glases, das umgestülpt auf dem Tisch steht und von den Buchstaben des Alphabetes umgeben ist. Ich bin zum er­sten Mal bei einer solchen Sitzung. Wir sind drei Teilnehmer und halten jeder einen Finger auf den Rand des Glases. Das ermüdet die Arme bald, das Glas verrutscht und ich bin sicher, das machen die beiden anderen. Das Glas wird im Kreis herum geschoben, während ich weiterhin sicher bin, dass ich keine Kraft ausübe auf die Bewegung. Umso entsetzter bin ich, als ich verdächtigt werde, ich würde das Glas umher schieben. Nun stellt die Frau Fragen an ihren verstorbe­nen Mann, die ich zum Teil selbst beantworten kann. Das Glas buch­stabiert die Antworten, indem es zu den einzelnen Buchstaben fährt, dort stehen bleibt, einige Runden umher rutscht und zum näch­sten Buchstaben steuert. Schließlich fragt die Frau: "Klaus, sehen wir uns wieder?" - Wir bekommen die Antwort: "Nein!" - "Warum sehen wir uns nicht wieder?" fragt sie. - Das Glas setzt sich wieder in Bewegung und steuert auf das B zu, dann auf das E. Ich schaue gelangweilt und ermüdet durch die ge­genüberliegende Wand und sehe eine grüne Tafel, auf der in feinen Blockbuchstaben zwei Wörter stehen. Blitzschnell schließe ich die Augen und sehe, dass das erste Wort mit BEG anfängt. Ich habe die beiden Wörter schon gelesen und mir kommt der Verdacht, dass es die Antwort ist auf die Frage: Warum sehen wir uns nicht wieder? Die gesehene Schrift ist verschwunden, aber ich weiß die beiden Wörter, halte mir die linke Hand vor die Augen und sage: "Das Glas ist bei R stehen geblieben", denn die Schrift begann mit BEGR. - "Das stimmt! Aber wieso hältst du dir die Augen zu?" - "Der nächste Buchstabe ist ein E", sage ich, "ihr könnt die Zettel ruhig vertauschen, das Glas geht zum E!" BEGRE - Da ich die Schrift mit Sicherheit gesehen habe und weiß, was kom­men wird, halte ich mir die Augen zu und fordere die beiden Teilnehme­rinnen auf, die Buchstaben zuerst wieder zu vertauschen, so dass sie sicher sein können, dass ich nicht hinschauen brauche oder mir die Lage auf dem Tisch gemerkt haben könnte. Ihr dürft wählen, ob ich den nächsten Buchstaben vorher ansage oder nachdem das Glas stehen geblieben ist. BEGREIFT habe wir schon. - "Und der nächste Buchstabe ist ein G!" kündige ich an. Die drei letzten sage ich wieder nachträglich. Ich brauche mir keine Mühe zu geben, denn ich sah klar und deutlich, mit offenen Augen durch die Küchenwand hindurchblickend in weiterer Entfernung die grüne Tafel mit der eleganten Schrift in Blockbuchstaben darauf:

B E G R E I F T   G O T T

Wenn in jedem Punkt des Universums das ganze Universum ist, dann fällt es mir nicht schwer zu folgern, dass mir jetzt etwas bewusst werden kann, was ich gleich zu sehen bekomme. Die Déja-vu-Erleb­nisse brauche ich mir nicht näher zu erklären. Es ist, wie wenn das Echo zuerst kommt und dann der Trompeter, der den Ton aus­stößt. Ich lese in einem Buch, was auf der übernächsten Seite steht, obwohl ich es gerade zum ersten Mal aufgeschlagen habe. Ich sehe eine Person um die Häuserecke kommen, und drei Sekunden spä­ter kommt sie persönlich. Es ist halt manchmal bei mir so, dass ich urplötzlich etwas weiss oder sage, ohne es bereits verstanden zu haben, was eintritt. Ich hegte bisher niemals die Absicht, so etwas zu tun oder für andere zu tun als amüsante Vorstellung. Ich spüre ganz genau, wann ich etwas im Voraus weiß, aber dann bin ich auch absolut sicher, egal in welcher Form die Information ankommt.

 

050 - Prophetie - Der Regen hört auf - Als kleiner Junge von zehn Jahren gehe ich mit einigen Kamera­den übers freie Feld, wo wir von einem Regenschauer überrascht werden. Wie vom Teufel geritten ergreift mich die Wut, ich schlage mit meinem Stock wild um mich und schreie: Aufhören! Ich weiß längst, dass es in der nächsten Sekunde schlagartig aufhö­ren wird zu regnen. Meine Kameraden überkommt ehrfurchtsvolles La­chen und sind überzeugt, dass ich den Regen habe aufhören lassen. Nach wenigen Minuten beginnt es wieder leicht zu nieseln, es wird stärker und stärker. Da verlangen meine Weggefährten von mir, ich soll den Regen beenden. "Mach schon! Sonst glauben wir dir nicht!" Das gefällt mir absolut nicht. Ich gehe stur meines Weges, die Jacke über den Kopf gezogen, damit mir der Regen nicht in den Nac­ken fällt. Plötzlich packt mich wieder der Zorn, ich weiß, dass der Regen so­wieso aufhört, aber ich schreie erneut "Aufhören!", wobei ich die Zeremonie mit dem Stock nicht vergesse. Nach zwei oder drei Sekun­den fällt kaum noch ein Tropfen auf uns. Das Lachen will meinen Kameraden nicht so recht gelingen.

 

051 – Ein Komet durchquert mich im Traum Juni 1989 Mir träumt, ein Komet, der nur wenig größer ist als mein eigener Körper, kommt aus dem All auf mich zugerast. Der Himmelskörper durchquert mich, ohne mich zu verletzen, und ich gerate dabei in die Schwingung eines tiefen Tones. Der Komet verschwindet in einem riesigen Bogen ins All, und dann sehe ich ihn wieder auf mich zukommen, aber aus anderer Richtung. Er durchquert mich erneut. Zu dem tiefen Ton kommt ein harmonisierender zweiter Ton aus meinem Körper, und beide Töne steigen etwas in der Höhe. Während ich mir bewusst mache, wie schön das Schwingen ist, kommt der Komet schon wieder zurück, und erzeugt bei der dritten Durchquerung wieder einen neuen harmonischen Ton, und der ganze Klang hebt sich erneut etwas an. So kehrt der Komet immer wieder aus wechselnden Richtungen zurück, durchquert mich und fliegt weg. Dabei werden die Zeitabstände von Wiederkehr zu Wiederkehr immer kleiner, die Musik in mir immer umfangreicher, und die Tonhöhe nimmt jedes Mal zu. Ich fühle mich einer Ekstase der Glücks ausgeliefert. Schließlich fangen sich mein Körper und der Komet, wobei ich einen heftigen Ruck empfinde, der mich ein kleines Stück in die Höhe trägt. Dann falle ich, den Komet in mir, auf mein Bett zurück. Ich erwache von dem Aufprall und fühle noch lange, die beglückende, berauschende Musik. Im einen Fall träume ich, eine Wolke zu sein, so groß wie ein Mensch, und ich schwebe von vielen anderen Wolken umgeben. Ich sehe einen Kometen auf mich zurasen, aus dem All kommend. Er trifft mich zentral und rast durch mich hindurch, ohne mich zu verletzen. In meinem ganzen Wolkenkörper bleibt ein tiefer Ton zu­rück, er fühlt sich warm und gut an. Darüber vergesse ich den kur­zen Augenblick der Angst, die ich beim Herannahen des Kometen empfand. Er ist zwischen den anderen Wolken verschwunden, wieder hinaus ins Weltall. Ich blicke umher und plötzlich merke ich sein Kommen erneut und sofort hat er mich von hinten durchschlagen. Diesmal hinterlässt er einen höheren Ton als beim ersten Mal. Die beiden Töne klingen gemeinsam und sie harmonieren miteinander. Ich bemerke dass der Komet schneller als zuvor zurückkommt. Diesmal durchquert er mich von der einen Seite, fliegt eine Kurve und trifft mich alsbald von der anderen Seite. Bei jedem Durchflug entsteht wieder ein neuer, höherer Ton. Der Komet beschleunigt sein Wiederkommen durch immer kürzere Kurven und schnellere Wie­derkehr, die erzeugten Töne sind jeweils höher und füllen einen gewaltigen harmonischen Akkord. Mein Wolkenkörper ist eine einzige singende Harfe. Schließlich bleibt der Komet in mir stecken, seine Energie reicht nicht mehr aus, um auf der anderen Seite nochmals auszubrechen. Mein Körper wird noch einige Male von ihm hin und her gerissen, bis die Musik fertig ist. Ich fühle mich sehr glück­lich und mit liebevoller Energie bereichert. Das Gefühl hält viele Tage seine Intensität.

 

052 - Zwei Silberkugeln * Ich habe einen luziden Traum: Ich liege auf der rech­ten Seite, bin schon fast wach und fühle in meiner Brust eine Wärme sich versammeln. Sie bildet bald eine Kugel, so groß wie ein Fußball. Ich öffne mehrmals die Augen und sehe die Möbel in meinem Schlafzimmer. Mir ist bewusst, dass ich träume und will wissen, was vorgeht. Die Kugel in meiner Brust rotiert leicht und kommt aus mir heraus. Sie ist vollkommen silbern leuchtend und ist bald ganz aus meinem Körper ausgetreten. Ich kontrolliere wieder, was ich mit geöffneten Augen sehe: Das ist das Zimmer und die Kugel, die sich klar als bildliche Überlagerung darin aufhält, immer noch kurz vor meiner Brust. Ich schließe die Augen, sehe zuerst nur die silbern leuchtende Kugel und dann erscheint am Ende des Zimmers aus der Ecke kommend eine gleichgroße ebenso leuchtende, rotie­rende Kugel. Sie schwebt langsam auf die meinige zu. Es fühlt sich schön und voller Vorfreude an. Nochmals öffne ich die Augen und schließe sie schnell wieder. Ich will erleben, was jetzt geschieht mit mir und der anderen. Die beiden Kugeln nähern sich mehr und mehr an, immerzu leicht rotierend. Das ist an einigen Schlieren auf der Oberfläche zu sehen. Ich identifiziere mich mit meiner Ku­gel, sehe sie aber auch von meinem Körper aus. Urplötzlich stürzen beide Kugeln ineinander mit einem Zischen und Raunen. Sie werden zu einer nur geringfügig größeren Kugel als die ursprünglichen, das Leuchten wird stärker und die Rotation wird völlig wild, lässt dann nach und wird ganz wenig. Diese neue vereinigte Kugel schwebt langsam auf mich zu und dringt ebenso langsam in meinen Körper ein. Das fühlt sich wunderbar beruhigend und beglückend an.

 

053 - Traum - Trance - Vision - Gesicht - … Ich notierte Erlebnisse so unsortiert, wie sie mir auch im Leben kommen, mal nenne ich es Traum, dann ist es ein Traum in einem Traum, oder ich träume luzid, wobei sich Wachsein und Träumen überlagern. Manchmal träume ich zwei oder mehrere Träume gleichzeitig und es ist mir hernach nicht möglich sie zeit­lich einzuordnen. Andere Erlebnisse mag ich als Vision bezeichnen, wobei ich den Unterschied zum luziden Traum nicht unbedingt fest­legen will. Auch will ich keine Abgrenzungen definieren zwischen Tagtraum, Meditation und Trance, in denen ich seltsame Gesichte habe. Was ich nicht will, ist, Definitionen geben für alle diese Erscheinungen, sondern ich will die Erlebnisse wiedergeben so gut ich es kann. Alles ist im Fluss und die Ufer sind nicht befestigt. Auch solche Begriffe wie Reinkarnation, früheres Leben, anderes Leben, Rückführung, Auferstehung oder Wiedergeburt haben nur be­stimmten Zweck, ohne dass ich mich einer definitiven Beschreibung oder Abgrenzung irgendwelcher Art anschließen möchte. Ich sehe, dass sie die Tatsachen nie genau erfassen. Die Grenzen sind flie­ßend. Die Seele oder das Bewusstsein leben und erleben nicht nur nach logischen Gesetzen, sondern auch nach paradoxen Möglichkei­ten.

 

054 - 057 - Tepperwein: Reinkarnationstechnik : Was geht vor bei einer so genannten Rückführung und wie er­kläre ich mir die Beobachtungen? Ohne jede Vorkenntnis über "Rückführungen" nehme ich teil an einem Seminar in "Reinkarnationstechniken". Der erste Schritt ist eine geführte Meditation zwecks Rückführung in den heutigen Tag. Es ist mir ein Leichtes, Dinge aufzuzählen, was ich heute schon getan, gedacht und erlebt habe auch ohne Medi­tation oder Trance. Dennoch staune ich über mein viel umfangrei­cheres Wissen von Einzelheiten, die in dieser geführten Meditation bewusst werden und anschließend bewusst bleiben. - Als zweites macht der Seminarleiter eine Rückführung in die Kind­heit. Niemand zweifelt, dass er eine Kindheit hatte, in der er vieles erlebte und das meiste aber vergessen hat, so dass er es nur mit großer Anstrengung und bloß lückenhaft ins Bewusstsein zurück­rufen kann. Ich bin fasziniert, mit welcher Präzision ich Einzel­heiten wieder erlebe, an die ich mich, wie man so gerne sagt, selbst im Traum nicht mehr erinnern kann: Ich sehe das Messer, die Gartenbank, den Lehmkuchen, den ich gebacken habe, ich höre den Vogel über mir rufen, ich sehe die Blätter und den dünnen Ast dicht vor mir, als ich einmal zu hoch bis in letzte Spitze des Birnbaumes geklettert bin, ich spüre die Angst, abstürzen zu müs­sen, wenn der Ast bricht. Die Beobachtung in der Rückführung geht blitzschnell von Fall zu Fall, von Ereignis zu Ereignis, als wenn Eile geboten wäre, damit in der voraussichtlich zu kurzen Zeit der Meditation wenigstens die gröbsten Dinge angesprochen, wieder be­lebt und ins Gedächtnis zurückgerufen werden. - Die dritte Rückführung geht in ein früheres oder anderes Leben und zwar in ein Dorf, in dem jeder schon einmal gelebt haben soll. Der Seminarleiter weist darauf hin, dass es keine Rolle spielt, ob jemand an Wiedergeburt oder so etwas Ähnliches glaubt. Es gehe nur darum, die Meditation mitzumachen und die Beobachtungen bewusst zu sammeln. Den Einwand eines Seminarteilnehmers, was dann passiert, wenn jemand noch nie in einem Dorf gelebt hat, weist der Leiter mit der Bemerkung ab: "Jeder von uns hat schon einmal in einem Dorf gelebt!" Ich melde innerlich Zweifel an, mache aber doch die Übung gerne mit. "Es ist doch sowieso egal, was ich davon halte!" denke ich und folge der Führung, gehe in bewusste Trance und sehe mich bald auf dem Weg zu dem Dorf, wohin uns der Seminarleiter führt. Ich unterscheide ganz bewusst, dass ich Dinge in Trance sehe wie in einem luziden Traum und dass ich mit geschlossenen Augen auf meinem Stuhl sitzend der Stimme des Leiters zuhöre. - Vor meinem inneren Auge spielt sich Folgendes ab: Ich sehe die Gruppe vor mir auf dem Weg zum Dorf. Das Gelände ist rechts vom Weg leicht ansteigend und links davon leicht abfallend. Mein In­teresse gilt einem einzelnen Haus an der linken Weg Seite, das mit dem Giebel zum Weg hin steht. Ich betrachte es sehr aufmerksam und bedauere, dass der Leiter zum Weitergehen in das Dorf auffordert. Etwas verstimmt darüber folge ich ihm und bald sind wir auf dem Dorfplatz, wo wir Einzelheiten aufspüren sollen. Gibt es da einen Brunnen, Bäume, sind Menschen dort, laufen Tiere umher? Was sehen Sie, wenn Sie sich umschauen? - Das alles sieht sehr blass aus, ich will überhaupt nicht mehr mitmachen, sondern ich will zu dem Haus am Wegesrand, das vorhin meine Aufmerksamkeit erregte. Schließlich höre ich den Seminarleiter sagen, dass wir uns jetzt trennen wollen und dass jeder in das Haus im Dorf gehen soll, wo er schon einmal gewohnt hat. - Ich brauche nicht hingehen, sondern bin mit einem Ruck wieder vor meinem Haus. Ich betrachte den Giebel, die Bemalung, die Auftei­lung der Fenster, den Eingang. Drei Stufen führen zuerst vom Weg hinab zu dem Pfad, der um das Haus führt. Ich sehe die Kiesel­steine, die der Regen aus dem Wegmaterial zurückgelassen hat, ich betrachte die Türklinke. Ich klopfe an die Tür, ich öffne, weil niemand antwortet. Ein schmaler Flur mit einer Tür rechts und ei­ner Tür links, einer geraden ziemlich steilen Treppe nach oben und am Ende des Flures noch eine Tür. Ich gehe in die rechte Kammer. Mir ist bewusst, dass ich in Trance bin, ich höre die Stimme des Seminar Leiters, die mich auffordert, im Raum umherzuschauen und mir alles Interessante zu merken. Mir ist zum Beispiel bewusst, dass ich zunächst in der einen Ecke nichts sehe. Dennoch schaue ich hin und erkenne, wie die Dinge zunächst schemenhaft, dann deutlicher und deutlicher erkennbar werden: Eine Eckbank aus Holz, ein Holztisch, blank gescheuert und ohne Tischtuch, eine Vertäfelung an der Wand und ein Bord unter der Decke. Noch erkenne ich nicht, ob etwas darauf steht. Die eine Wand entpuppt sich nach längerem Betrachten als Tür, daneben ein Kachelofen mit einer Ofenbank. Ich bin er­staunt über diese faszinierende Möglichkeit, etwas zu sehen und zu erleben. - Die Sitzung ist zu Ende und wir werden ins Hier und Jetzt des Seminar Raumes zurückgerufen, um unsere Erfahrungen mitzuteilen. Das allgemeine Bedauern gilt dem abrupten Ende der Meditation, jeder hätte gerne noch weitergemacht. Die Frage, ob es frühere Leben gibt oder nicht, haben wir anscheinend alle vergessen. Wir erfah­ren zu meiner Beruhigung, dass jeder in Meditation in sein Haus zu­rückkehren und weitere Einzelheiten anschauen kann. - Selbst heute bei der Niederschrift meiner damaligen Beobachtungen bemerke ich, wie wieder neue Inhalte sichtbar werden, die ich bis­her nicht beachtet hatte. - In mehreren selbst gelenkten Rückführungen, gehe ich in mein Haus am Wegesrand und erkunde weitere Einzelheiten. Das Merkwürdige ist, dass die bereits klar zum Vorschein gekommenen Dinge sofort wieder deutlich auftreten, während sich die Grauzonen erst nach und nach mit Bildern und Leben füllen. Mein Interesse gilt der Tür an der hin­teren Wand in dem Zimmer rechts vom Flur, die Tür also neben dem Kachelofen. Sie ist zweiflügelig, ich öffne sie und trete in die Kammer dahinter. Vor mir steht ein Tisch, dahinter sehe ich eine Bank und an der linken Wand beugt sich eine in schwarze Laken ge­hüllte Gestalt über den Körper von einem Mann, der auf einer Bank liegend von ihr mit einem großen Messer in zwei Teile zerlegt wird. Sie hat zwischen dessen Beinen begonnen und ist bereits in der Brustgegend. Die linke Hälfte des Körpers rutscht schon auf den Fuß­boden, während die Frau oben weiterwerkelt. Sie bemerkt mich und hält inne. Dann lässt sie ab von ihrem Tun, geht mit dem blutver­schmierten Messer hinter den Tisch, setzt sich auf die Bank, zieht ihre Kopfbedeckung über das Gesicht, senkt den Kopf bis auf die Planken und beginnt zu weinen. Ich weiß, dass sie Theater macht, dass sie mich als lästigen Mitwisser beseitigen will. Während ich so stehe und sie betrachte, hebt sie ein wenig den Kopf, so dass ich etwas von ihrem Gesicht erkennen kann. Das Messer hat sie un­ter den Tüchern und steht langsam auf, immer noch bemüht zu schluchzen. - Ich sage zu ihr: "Ich weiß, dass du mich töten willst. Das darfst du auch! Es macht mir nichts aus!" - Sie entgegnet schroff: "Aber ich will dich heimlich töten! Du sollst es nicht wissen, dass ich dich töten werde!" - In einer späteren Sitzung ist dies alles wohlbekannt. Ich gehe aber diesmal die Treppe hinauf. Oben steht eine Frau in der schma­len Tür und verweigert mir den Zutritt in das Obergeschoss. Plötz­lich ist sie doch fort, ich durchsuche die Zimmer. Die sind alle leer, nur einiger Unrat an Papier und Kehricht liegt umher, so wie wenn jemand ausgezogen ist und das Haus noch nicht renoviert ist. Ich gehe nach unten, in das andere Zimmer im Flur, es ist völlig leer geräumt. Die Fenster mit ihren sechs Scheiben sind wie alle Fenster im Haus ohne Gardinen. Wie auf der anderen Seite des Flures hat die hintere Wand des Zimmers eine Tür. Ich gehe in den Raum, der ebenfalls leer geräumt ist bis auf einen massiven großen Billard Tisch, der dort ohne Stöcke und Kugeln auf seinen Abtransport zu warten scheint, weil er für den Möbelwagen zu groß war. - Ich gehe wieder in den Flur und finde unter der Treppe, die nach oben führt, eine Kellertür. Ich öffne sie vorsichtig. Im schwachen Licht ist eine lange, gerade Treppe zu erkennen und der Boden des Kellers ist aus Lehm. Ich gehe einige Stufen die Treppe hinunter, als diese am oberen Ende abbricht und ich falle mit ihr in den Keller. Mir geschieht aber nichts dabei. Der niedrige Raum hat zwei Kellerfenster mit Gewölbe und zwei niedrigen Scheiben. Er ist leer bis auf einen guten, neuen Spaten, der an der Wand lehnt, wo darüber im Erdgeschoss die Tür zum Billardzimmer ist. - In einer späteren Sitzung schaue ich mir diese Wand genauer und ausdauernder an, bis ich eine Tür darin erkenne. Ich trete in den Raum dahinter. Der Boden ist auch hier aus Lehm und etwas Licht kommt durch ein Fenster von links. Ich untersuche den Boden des völlig leer geräumten Kellerraumes. Eine Stelle ist nicht so fest, es klingt hohl. Ich hole den Spaten und untersuche den Boden. In fünfzehn Zentimetern Tiefe stoße ich auf Holz. Es sind dicke Eichen Balken, die sich kaum bewegen lassen. Ich weiß, dass darunter ein Versteck ist. - Und in einer noch späteren Sitzung gehe ich zu diesem Versteck, eine Frau erscheint aus in einer bisher noch nicht bemerkten Tür rechts und sagt: "Wir können froh sein, es ist alles noch da!" - Ich bin sicher, dass ich noch viele Sitzungen abhalten, weitere Einzelheiten auskundschaften und Diskussionen führen könnte, was es mit diesen Rückführungen auf sich hat. - Ich denke zuerst an die Möglichkeit, dass es sich um ein Ereignis zum Ende des vergangenen oder zu Beginn dieses 20. Jahrhunderts han­deln könnte, dass ich die Erlebnisse hatte. - Eine andere mögliche Erklärung denke ich mir, dass das Haus Symbol für meine Psyche ist und dass alle genannten Bilder und Ereignisse ebenfalls symbolhaft zu verstehen sind für gespeicherte und bisher unzugängliche Inhalte des Unterbewusstseins. - Als dritte Möglichkeit denke ich daran, dass die erste und zweite Deutung paradoxerweise identisch sind. Das will ich im Weiteren herausarbeiten. - Dazu folgendes Beispiel: Marina (Sandra Tatzel) erlebt sich in einer solchen Rück­führung als Ehebrecherin und Hure. Vor zweihundert Jahren war sie so eine in Paris. Ihr Ruf war sehr übel, eigentlich müsste Marina sich schämen, so etwas in einem ihrer Leben getan zu haben. Das tut sie auch irgendwie, sie verurteilt alle Hurerei und das Ehe­brechen aufs Schärfste und ist böse auf sich selbst, wenn sie an die Möglichkeit nur denkt, etwas Ähnliches tun zu wollen. Sie lebt als gesittete Ehefrau, aber nicht glücklich, weil mit der Sexuali­tät etwas nicht stimmt in ihrer Beziehung. Der Schritt in die Ak­zeptanz ist wesentlich einfacher, wenn Marina ihr Ehebrechertum und ihre Hurerei in ein anderes Leben verlegt. Es gab eine solche geeignete Frau und sie schlüpft in der Rückführung in dieses Bewusstsein. Ihre Seele wandert einfach nur in diese fertige Ausfüh­rung, lernt sie zu akzeptieren und nähert sich damit der Auflösung ihrer momentanen Vorurteile. Bald kann sie erkennen, dass es nur die Urteile sind, die aus der Lebensweise der besagten Dame von vor zweihundert Jahren eine Verurteilte machen. Marina schafft sich so Schritt für Schritt die Möglichkeit, sich immer wieder frei für ihren Partner zu entscheiden, weil es ihr bei ihm einfach gefällt und sie glücklich ist, oder auf Abstand zu gehen von ihm, weil es ihr graut vor ihm. Sie erkennt sehr bald, dass ihre Treue bisher die Folge von Angst vor Strafen gewesen ist.

 

 

067 - Paul mit Kohorte - Narkose -    Es war im Juli 1947, ich ging in die Quinta des Progymnasiums in Waldniel zur Schule, da hatte ich den linken kleinen Zeigefingernagel vereitert, der deshalb in Narkose abgenommen werden musste. Ich fürchtete mich vor der Bewusstlosigkeit, aber ich habe tapfer gezählt und tief geatmet, damit ich schnell narkotisiert war. Bei sieben flog ich davon und war sogleich in dem Buchenwäldchen bei unserem Bauernhof, und ich hatte Blick auf die Pfarrkirche von Waldniel, in deren Nähe das Krankenhaus gelegen ist, in dem ich auf dem Operationstisch lag. Das wusste ich, als ich ziemliche Dunkelheit bemerkte, und ich Getrappel und Geschlurfe von Füssen  und allerlei Geräusche vernahm, die auf eine dahin- und daher hastende Kohorte von Suchern auf den Feldern schließen ließ. - Ich konnte sie nicht erkennen, aber ich vernahm die Stimme meines Bruders und Anführers Paul: „Hierher, hier ist er!“ und alle stürzten Richtung Waldniel dem Krankenhaus zu. Doch sogleich gab mein Bruder Paul ein neues Kommando: „Ach, hier nicht, der ist hier nur in Narkose!“ -       Ich verstand ihn, dass er mir im Augenblick meines Todes entgegenkommt und mein Signal vom Operationstisch zuerst missverstanden hatte. Und sogleich flog ich zurück über die Felder und war wieder in meinem Körper. Ich versuchte dieses Erlebnis zu erzählen, aber niemand hörte mir zu. Da schwieg ich viele Jahre. - Heinsberg, den 17. November 1990 - 19:38 Uhr Leonhard Johann Campen *

 

 068 – Traum oder Vision – Paul im Himmel - Es war vielleicht 1975, jedenfalls zu der Zeit, als mir klar zu werden begann, dass die Ehe sich totlaufen musste unter den Voraussetzungen, unter denen wir erzogen wurden und gestartet waren, und sich mein Körper durch mehr und mehr psychosomatische Projektionen dagegen wehrte und mir zu helfen suchte, aus der Bindung zu entkommen, und sich der Zweifel an das Leben und einen Sinn des Lebens sich schwer auf mich legten. Zu der Zeit hatte ich eines Nachts einen Traum: Während ich auf dem Rücken lag und die Wand im Halbschlaf vor mir sah, öffnete sie sich zu einer kleinen Bühne in halber Wandhöhe als rechteckiges Loch. Obwohl es fast ganz dunkel war, erkannte ich so etwas wie eine Hobelbank in einer Schreinerwerkstatt. Ich hörte ganz deutlich, wie jemand gegen ein Holz stieß, das dann umfiel. - "Wer ist da?" fragte ich. - "Ich bin's, Paul",  entgegnete eine Stimme. - "Wo bist du?" - "Im Himmel!" sagte er.  -  Damit war der Traum zu Ende, glaubte ich. Aber ich sah noch doppelt: Die Zimmerwand ohne Bühne und gleichzeitig mit Bühne darin. - Heinsberg, den 17. November 1990 - 21:50 Uhr Leonhard Johann Campen * doppelt sehen oder das zweite Gesicht –

 

069 - Vision Traum  - Leichenschmaus

Es war vielleicht Juni 1988, als ich träumte, gestorben zu sein. Ich war danach eingeladen zu einem himmlischen Fest, (Leichenschmaus) auf dem mein Körper verspeist werden sollte. Ich war aber zwei Stunden zu spät, weil ich auf Erden noch vieles geregelt hatte, bevor ich mich zu dem Festmahl begab. Als ich die Vorhalle betrat, sah ich eine riesige ovale Silberschüssel, auf der mein rechtes Bein vollständig von der Fußspitze bis zur Hüfte als Speise zubereitet lag. Es sah leicht gebräunt, etwas durchscheinend wie Bernstein und recht appetitlich aus. - Das haben wir für Dich aufbewahrt, sagte eine Gestalt in einem langen, weißen Umhang. - Aber das ist doch viel zu viel für mich, entgegnete ich. - Die Gestalt in Weiss wies auf die Tür rechts neben mir, die in einen unüberschaubar grossen Saal führte. Ich wurde erwartet. Ich erblickte lange, festlich in Weiss gedeckte Tische, daran saßen in weißen Umhängen gekleidete Gestalten in königlich, aufrechter Haltung und schauten mich erwartungsvoll an. Jeder hatte einen weißen leergegessenen Teller vor sich, es war kaum noch eine Spur der Benutzung auf ihnen zu sehen und die Bestecke waren darauf zusammengelegt. - Ein Sprecher erhob sich und sprach zu mir: Wir hatten alle grossen Hunger. Da haben wir beraten, was du sagen würdest, wenn wir schon essen, obwohl du als Anlass des Festmahls noch nicht anwesend bist, und was du sagen würdest, wenn wir auf dich gewartet hätten. Wir denken, dass wir alle in deinem Sinne gehandelt haben, das Mahl schon eingenommen zu haben. - Da war ich glücklich, ihnen sagen zu können, wie sehr ich über ihre Entscheidung erfreut bin: Ich freue mich, dass ihr mich so gut kennt und dass ihr die Zeit nicht mit nutzlosem und quälendem Warten vertan habt. Ich hatte noch so viel zu tun, aber jetzt darf ich bei euch sein. - Aufzeichnung 24. November 1990  LJC –

 

070 - 073 - Mount Lavinia – Eins mit dem ALL - Das ist eine längere Geschichte, wie ich zu der Sicht kam von den Möglichkeiten, die das einzelne Bewusstsein erfahren kann. Mein Er­lebnis hat zwar einen markanten Höhepunkt, aber es bahnte sich ta­gelang an und hielt hernach etliche Wochen seine Intensität. Da­nach erst schälte sich der eigentliche Kern und Sinn dieses Erleb­nisses für mich heraus. - Es begann mit einer Reise nach Indien: Ich gehe zu Murtim, dem Priester in der Palmblätterbücherei in Bangalore und will wissen, was es mit seinem astrologischen Werk auf sich hat. Er widmet mir eine ganze Stunde und erzählt mir in seinem Tauben-Englisch, was in meinem bisherigen Leben alles schon geschehen ist. Nachdem er mich sogar über einiges belehrt, was ich verdrängt hatte und nicht wahr haben wollte, sagt er mir auch über meine Zukunft. Manches verstehe ich nicht, weil meine Sprachkenntnisse in Englisch nicht so ausgedehnt sind und weil dieser Priester in seinem Slang spricht. Ich bin sowieso schon gestresst von seiner Rede, aber ich denke auch, es ist gut, dass ich mein Tonbandgerät einschalten durfte, dann kann ich mir später alles noch einmal in Ruhe anhören und dazu vielleicht eine Fachkraft in Englisch in Anspruch nehmen. Zum Ende der Stunde komme ich mir vor wie eine gequälte Mathematik Schülerin, die schon in der Mitte der Stunde abgeschaltet hat und zum Schluss nur noch auf die Hausaufgaben lauert, damit der Nachhilfelehrer weiß, was er mit ihr durchnehmen muss. Ich verstehe Murtim gerade noch wie er etwas von einem gravierenden Erlebnis in einer Begegnung spricht, das noch vor dem Beginn meines nächsten Lebensjahres stattfinden werde. Meine Reise nach Indien hätte ich wegen dieser Begegnung angetreten. Wie betrunken verlasse ich das Tempelchen der Palmblattbücherei, schließe das eiserne Tor zur Straße hin und habe das Gefühl großer Aktivitäten in meinem In­nern. Ich reise nach Goa, ans Meer, ich will einfach nur ausruhen, die  Stille und die Wärme genießen. Am dritten Tag meines Aufenthaltes in einem Fischerdorf komme ich abends ins Gespräch mit einer jun­gen Studentin, die hier im Ort auf ihren Freund wartet, mit dem sie verabredet ist. Sie wollen sich hier treffen, um drei Wochen gemeinsam durch Südindien zu reisen. Da ihr Freund aber seit Tagen überfällig ist und sich langweilt, ist sie aufgrund ihrer Studienfächer sehr leicht ansprechbar und auch offen für Gespräche von tiefstem philosophi­schen Inhalt, über Psychologie und allen Fragen, die den Sinn des Lebens betreffen könnten. Mir tut sich eine Wunderwelt auf. Ich bewundere ihre geistige Reife und Lebensoffenheit ebenso wie ihren Mut, als junge Frau die meiste Zeit allein und das ein Jahr lang durch Indien zu reisen. Wir treffen uns ohne Verabredung in den nächsten Tagen mehrmals "zufällig", das Fischerdorf ist klein und die Fischer spielen "Zufall", sie zeigen sofort in die Richtung, wo ich die junge Dame finden kann, wenn ich irgendwo am Meer auf­tauche. - Schließlich kommt ihr Freund nach fünf Tagen doch noch und meine Gespräche mit ihr nehmen bald ein Ende, zumal ich abreisen will. Wir verabreden uns auf meine Bitte hin noch einmal zum Abschied. Ich müsste lügen, wenn ich sagen wollte, ich wüsste noch, worüber wir in den drei Stunden gesprochen haben. Aber mir ist nach dem Abschied von ihr so seltsam ums Herz, als wenn sie mir näher kommt, wenn ich weggehe. Das Gespräch mit ihr geht innerlich weiter. Mir werden täglich mehr Dinge bewusst. Mir ist eine neue Welt aufge­schlossen worden. Das Gefühl, die junge Studentin sei ständig bei mir, begleitet mich etliche Wochen. Auch auf meiner Reise in den Süden Indiens und weiter nach Sri Lanka. - Ich denke, Murtim, der Priester in Bangalore habe diese Begegnung gemeint, die vor dem Beginn meines nächsten Lebensjahres stattfin­den werde. Ich lerne viele neue Menschen kennen und manchem er­zähle ich sprudelnd vor Freude von der Begegnung in Goa. - Nicht alle spüren es und verstehen es auch nicht, dass in mir nicht der Wunsch aufkommt, die junge Frau als Partnerin haben zu wollen. - Sie denken, wenn einer so begeistert und begeisternd von einer Be­gegnung spricht, kann das nur "Liebe" sein, die eine Beziehung eingeläutet hat. - Das Kalenderjahr 1988 neigt sich dem Ende zu, als ich Sri Lanka errei­che. Die wundervolle Veränderung und Lebendigkeit in mir begleitet mich jeden Tag, ich fange an, die Aura von Menschen zu sehen, meine Haut schüttelt sich und vibriert manchmal an kleineren oder größeren Stellen des Körpers ohne mein Zutun, es fühlt sich eksta­tisch schön an. Es vergeht kein Tag mehr, ohne dass ich solche Vi­brationen erlebe. Immer häufiger gerate ich in einen regelrechten Glücksrausch, wenn ich die Aura eines Menschen sehe. - Manche grüßen mich auf der Straße wie einen alten Bekannten, un­sere Augen blitzen sich an, wir wechseln keine Worte und haben uns schon verstanden. Ich bastele an einer Erklärung: Vielleicht kommt das durch die ständige Hitze, die starke Sonneneinstrahlung, oder ist etwas im Arrak, dem beliebten Getränk der Singhalesen. Ich lasse ihn ganz weg. Meine Gefühle verstärken sich noch mehr. Noch häufiger erlebe ich das Flattern, Vibrieren und Schütteln meiner Haut, das tut mir sehr gut. Es ist auch wieder manche Stunde völ­lige Funkstille in mir. Das bedauere ich nicht, ich erlebe mich in dieser Stille, bis dann plötzlich die Stimmung wieder in Jubel ausbricht. Ich möchte alle Menschen, die mir begegnen, umarmen. - Mir ist, als wenn mich ein Geist oder die riesengroße Aura eines Wesens umgibt und mir ständig Energie schickt. Manches Mal denke ich noch an die liebevolle Begegnung in Goa, doch kommt mir inzwi­schen immer häufiger der Gedanke, dass es ein anderes Wesen ist, das mich so stark umgibt. Ich weiß nicht, was vorgeht mit mir, aber schön ist es, ich genieße es. - Es kommt mehrfach vor, dass ich abends in fröhlicher Runde sitze und mich währenddessen das Gefühl überkommt, dass ich wiederum in Ekstase gerate. Dann gehe ich allein ans Meer, um mich ganz auf das Erlebnis einzulassen. Zum ersten Mal bekomme ich Angst, ich könnte die Vibrationen und das Flattern des Körpers nicht überleben. Es ist zwar schön, aber ich fürchte mich und sage: "Genug! Ich will nicht mehr!" und sogleich klingt alles ab. Ich fühle mich ganz normal an. Keine Spur bleibt zurück. Das stimmt mich etwas traurig und ich beschließe, dass ich das nächste Mal, falls es wiederkommt, mich auf alles einlasse und wenn ich daran zugrunde gehe. - Zwei Tage vergehen in völliger Gelassenheit. Am dritten Tag merke ich, dass das Wesen erneut auf mich zukommt. Und am folgenden Tag, es ist der 13. Januar 1989, nachts um drei Uhr indischer Zeit scheint es sich auf mein Versprechen einzustellen und alles an Energie auf mich abzufeuern, was vorhanden ist. Ich war schon eingeschlafen trotz der überaus lauten Musik in Nachbars Garten, wo ein Fest gefeiert wurde. Ich erwache auf dem Bauch liegend mit dem Gefühl, dass das Wesen über mir ist in dem großen Zimmer mit einer recht hohen Zimmerdecke. - Ich gerate in Ekstase wie nie zuvor. Ich schreie vor Verrücktheit, es ist zu schön, es ertragen zu können. Ich erinnere mich, dass ich mich auf alles einlassen will, was auch immer mit mir geschieht. - Das Wesen steigert seine Strahlung immerzu, ohne sich von meinem wilden Schreien und meinem Um-mich-schlagen ablenken zu lassen. Ich stecke den Kopf unter das Kopfkissen, in dem Glauben, dann sei es weniger stark. - Ich will sterben! - Ich flüstere es, ich rufe es, ich schreie es. Aber das Wesen setzt seine Strahlung fort, im­merzu mit noch größerer Intensität. Ich schaue auf meine Armband­uhr und es ist inzwischen drei Uhr dreißig. "Töte mich! Du sollst mich töten!", schreie ich vergebens. Die Musik von nebenan spielt immer noch recht laut. Aber das ist nicht der Grund, warum ich nicht erhört werde, denn zum ersten Mal verstehe ich gedachte Worte über mir: "Befehle nehme ich nicht an von dir!" Ich besinne mich sofort und sage laut mit Worten: "Du darfst mich töten!" Die Antwort kommt spontan: "Aber ich will, dass du lebst!" Ich gebe es auf, et­was regeln oder veranlassen zu wollen. Da senkt sich das Wesen auf mich herab und taucht ganz in meinen Körper ein. Die wahnsinnig machende Spannung ist fort. Das Ich von soeben gibt es nicht mehr. Das neue Ich besteht aus der Vereinigung mit dem namenlosen Wesen. Es ist ein anderes Bewusstsein entstanden, ein Bewusstsein, das an­fängt den Körper auf dem Bett auszudehnen, langsam, schnell, schneller, bis das Zimmer ganz ausgefüllt ist, das ganze Haus platzt und mit wachsender Geschwindigkeit verteilt sich dieses Bewusstsein durch das ganze Universum. Ich, das neue Ich, bin über­all. Ein ewiger Friede, eine Stille und Harmonie sind die Bewusstseinsinhalte, die ich erlebe. Und siehe da: Die Allgegenwärtigkeit dieses neuen Ich hat die Fähigkeit, sich auf einen Teil im Univer­sum zu versammeln, nur diesen Teil auszufüllen und zu sein. Es kann sich wieder ausdehnen, sich auf ein anderes Gebiet einlassen und dieses sein. Es ist jedes Mal ein Fest von unglaublicher Freude darin. "Wir feiern das Fest vom Einswerden", verkünde ich an einer Stelle im fernsten Raum des Weltalls. "Ja, das ist bekannt!" er­halte ich als Antwort. Ich sehe, dass jede Stelle im Weltraum über alles, was ist, informiert ist. Mir wird bewusst, dass ich soeben sagte: "WIR feiern das Fest vom Einswerden!" - Dieses WIR ist nicht die Vereinigung von dem alten Ich und dem na­menlosen Wesen, sondern es ist der Beginn, des Zweiwerdens. Das neue ICH kopiert sich in sich selbst und es sind zunächst zwei identische ICH, die sagen: "WIR feiern das Fest vom Eins werden." - Das sind zwei Wesen geworden, die sich voneinander lösen, sich ge­genseitig die Freiheit geben und ihre eigenen Wege gehen mit der Gewissheit, dass irgendwo eine neue Vereinigung stattfindet, bei der jeder seine Erfahrung, seinen Beitrag für den anderen heim trägt, mit ihm verschmilzt, und dies im ....  Die Musik im Garten nebenan spielt nicht mehr weiter. Mein Körper liegt still, gelöst, erschlafft auf dem Bett. Ich nehme ihn ein und be­lebe ihn mit diesem Bewusstsein: Die Seele ist nicht nur ein Indi­viduum, sondern sie kann sich auch vereinen und spalten, sie kann sich auf beliebige Teile ausdehnen, sich mit ihnen identifizieren, sie kann sich zum Punkt verkleinern. Und dennoch ist sie allgegen­wärtig. Dass etwas verloren gegangen sein könnte, ist nur Schein. *

 

074 - 075 - Vision in Rossbach Seminar Enlightenment Everding :

Erlebnis auf einem Seminar in >> Enlightenment intensiv << vom 26. Juli bis 29. Juli 1991 in Rossbach. Meine Frage lautet: Was ist Leben? Mit dieser Frage beschäftige ich mich von Freitag 19 Uhr ohne Pause 72 Stunden lang intensiv in Dyaden und Meditationen. In der folgenden Nacht gehe ich spazieren, meditierte weiter, schlafe nur 20 Minuten im Morgengrauen und gehe zur Tanzmeditation. Dabei habe ich folgendes Erlebnis: - Nach wenigen Minuten Tanz mit geschlossenen Augen sehe ich  Farbtupfer in entzückenden Farben, die es im Malkasten nicht gibt. Ich erinnere mich, dass ich sie im Leben schon einmal vereinzelt für Bruchteile von Sekunden gesehen habe. Ich rufe entzückt und begeistert: Da seid ihr ja wieder! Diesmal aber denke ich: Bleibt! Ich will euch sehen! Ich erkenne das alte Mantra in mir: Das ist gefährlich! Ich hebe es auf: Ich vertrage alles. Es kommen immer mehr Farbtupfer, sie tanzen in Schlangen und Gruppen, sie bilden ein lebendes Bild. Sie schlüpfen untereinander hindurch, verändern zur Musik ihre Größe und ihre Gestalt. Dabei strahlen sie Glücksenergie auf mich aus, dass ich zu weinen beginne vor Freude, während ich weitertanze. Ich fühle, die Farbtupfer sind die Tänzer im Raum, die mit mir die Meditation machen. Mein Gedanke, dass so etwas für einen Menschen doch gefährlich werden könnte, lässt die Farbtupfer sich zurückziehen. Sie kommen sofort wieder bei meinem Gedanken: Ich werde immer stärker, je mehr Energie kommt. Ich weine immerzu vor Glück und Ekstase. Die Farbtupfer werden abgelöst von schwarzen, winzigen Strichzeichnungen auf hellem Grund, die sich bewegen. Ich denke an Zeichnungen von Paul Klee, weiss aber, dass das hier keine solchen sind. Die Figürchen erinnern auch an Kinderzeichnungen mit wenigen Strichen. Das ganze sieht nach einem riesigen Chaos aus, in dem Ordnung herrscht. Die Figuren tanzen in Reigen, in Gruppen, einzeln und zu zweit. Einige nehmen für Momente dreidimensionale Gestalt an. Sie können sich durchqueren, wenn ihre Bewegung es erfordert. Sie schauen mich im Vorbeikommen lieb und freundlich an und senden mir winzige beglückende Liebesbotschaften, die ich herzlich verinnerliche. Ich denke überhaupt nichts, sondern lasse alles geschehen. Nun sehe ich helle, tanzende, sich in ihrer Gestalt verändernde Kristalle. Sie wachsen zu vierdimensionalen Körpern heran, die als solche zu tanzen beginnen, und sich gegenseitig durchqueren können. Ihre Farben und Gestalt ändern sich zur Musik, ich höre Töne aus ihnen herauskommen, es sind die Stimmen der Tänzer im Meditationsraum. Kristalle und Tänzer sind eins. Ich fühle, wie sie mir ihre Liebe schenken. Ich zittere am ganzen Körper, weine und lache, ich fühle den Boden nicht mehr unter meinen Füssen, ich glaube zu schweben. Ich bin in der Höhe und sehe das Bild meines Lebensweges, das an den Tagen vorher so oft in den Dyaden auftauchte. Es ist der Weg, der langsam und bequem den Berg hinanführt, und auf dem ich bergauf gleite wie der Skilangläufer es talwärts macht. Die Energie für meinen Anstieg sind meine Gedanken. Ich bin der Wanderer auf diesem Weg und gleite hinauf ans Ziel auf den Gipfel des Berges. Dort begegne ich einer Lichtgestalt, die ich kenne und die ich im Augenblick am heftigsten liebe. Sie sagt: Ich bin schon da. Ich verstehe das so: Sie hat sich selbst geholfen und ist auf dem eigenen Weg auf den Gipfel des Berges gekommen. Unsere Freude übersteigt das Maß des Aussprechbaren. - Es tauchen noch einmal die Farbtupfer vom Anfang der Vision auf, und ich werde noch einmal daran erinnert, dass vor der Ebene, in der die Farben tanzen, ein gelbes drachenförmiges Ausrufezeichen ohne Punkt mit dem Kopf nach unten tanzt. Ich soll es mir merken. Mein ganzer Körper vibriert immerzu, ich weine und lache in dieser Glücksekstase. Ich bin ganz sicher, dass einer der Monitore das Tonband so verändert, dass die Musik Stunden dauert. Es kommt die Aufforderung, am Boden zu liegen. Die Musik hört auf. Ich sehe vor mir und ringsherum lebende Tapete in allen denkbaren und undenkbaren Farben. Die Muster sind lebendig und verändern ihre Gestalt. Die Konturen sind weich, nur wenige haarfeine Linien bewegen sich durch sie hindurch. Die ganze Szene strahlt Glück, Ruhe und den tiefsten Frieden auf mich aus. Es gibt kein oben und kein unten, alles ist schwerelos. Ich genieße das Glück. Die Musik setzt wieder ein. Ich will mich verkriechen und stoße mit dem Kopf gegen die Wand. Ich will nicht wieder in den Energiestrom, ich will fliehen vor dem Rampenlicht und den Tänzern im Raum. Eine Stimme fordert mich auf aufzustehen. Ich taumele, stehe wieder, tanze zur Musik und komme wieder in den Energiestrom, den ich wie Scheinwerferlicht auf meinem Kopf und am ganzen Köper fühle. Ich sehe einen riesigen blauen Vorhang, der sich wellenförmig bewegt. Es tut sich in der Mitte beginnend ein waagerechter Schlitz auf. Die Kanten des Schlitzes tanzen wie an Fäden gezogen. Der Schlitz wird immer größer und es kommt ein neuer Vorhang dahinter zum Vorschein in einem andern Blauton. Alles schwingt, alles lebt. Auch dieser neue Vorhang tut sich in einem waagerechten Schlitz in der Mitte auf wie der erste. So folgt Vorhang auf Vorhang, jeder in einem andern Blauton. Es entsteht ein Tunnel, in den ich hineinschaue. Ich bin glücklich, ich fühle meinen Körper kaum noch. Ich weine und lache, ich singe mit den andern, ich danke ihnen immer wieder. Ich verteile mich im ganzen Raum. Die Musik schweigt. Ich denke, es waren vier Stunden, in denen ich die ekstatische Vision hatte. Die Tänzer gehen aus dem Raum. Ich bin immer noch in Trance. Ich sehe durch die Menschen hindurch und sie schauen durch mich hindurch. Die physische Welt ist nur ein Trugbild der ganzen Realität. Ich bewege mich im Zeitlupentempo. Ich frühstücke noch in Trance. Nach einer Stunde etwa erkenne ich, dass ich während des Höhepunktes der ganzen Vision mir gesagt hatte: Jetzt komme ich so langsam wieder raus. Ich weiss nicht, warum mein Unterbewusstsein daraus eine Stunde gemacht hatte. Der Gedanke > Ich bin hellwach < versetzt mich spontan in die Gegenwart. –

 

076 - 080 - Terrakotta - Meister - Tod –

In einem viel weniger aufregenden Traum, der jedoch Fortsetzungen hat, erlebe ich eine Realität, von der ich überzeugt bin, dass es sie physisch gibt. Ich vermute, dass es sich hierbei auch um einen Übertragungstraum handelt, obwohl ich keinen Verdacht habe, ob es ein lebender Zeitgenosse ist oder ob es sich um ein Bewusstsein ohne Körper handelt, welches mir die leichte Einsicht in den Raum vorgibt. Manche Leute höre ich behaupten, es handele sich um eines meiner früheren Leben. Was ich aber unter "früheren Leben" verstehe, sieht am Ende ganz anders aus als die Aneinanderreihung von verschiedenen Menschenleben, die demselben Individuum zuzurechnen wären. Doch zunächst möchte ich den Traum schildern: Ich wache auf und bemerke, dass ich bereits stehe, bevor ich die Augen öffne. Mein Blick fällt in fünfzig Zentimetern Abstand auf eine braune Wand, die mit Terracotta-Kacheln gefliest ist. Ich bestaune die einzelnen Muster, die ein Künstler vor dem Brennen der Fliesen offensichtlich von Hand an diversen Stellen eingraviert hat. Ich bewege mich leicht nach links und wieder etwas weiter nach rechts, weil ich mir die Muster genau anschaue. Das Tages­licht kommt von links und erhellt die Erhöhungen im Material, wäh­rend die tiefer liegenden Rillentäler sich dunkel davon absetzen. Ich gehe weiter nach rechts und bemerke, dass die Wand dort auf­hört, aber frei im Raum. Es ist eine Art Dekoration, diese Wand, vielleicht ein Raumteiler, der schräg zur Außenwand eingebaut wurde. Mit der rechten Hand greife ich nach den Mustern und bin erstaunt, dass sie sich überhaupt nicht wie raue Terrakotta-Flie­sen anfühlen, sondern wie ein Tuch. Ich bewege meine Hand zu einer anderen Stelle und ich fühle Holz an meinen Fingern. Jetzt bin ich sicher, dass ich die Wand überhaupt nicht berühren kann, ich greife hindurch, ziehe die Hand wieder zurück und fühle mein Bettlaken und die Holzkante vom Bettgestell. Aber ich sehe fortwährend total deutlich vor mir die kunstvolle Dekoration. Ich gehe näher und etwas weiter zu­rück. Ich habe die Augen weit geöffnet und sehe diese Wand völlig deut­lich. Aber meine Hände fühlen in einem anderen Kontinuum Laken und Holzkante meines Bettes. - Ach wie einfach das doch ist: Ich träumte nur, ich wäre aufgewacht und jetzt beginne ich wirklich aufzuwachen. Die braune Wand ist immer noch ein Traum, während die Bettdecke und die Holzkante in meiner physischen Welt existieren, wo auch mein Körper anfängt, richtig zu erwachen. Nur wundert mich, dass ich die Augen weit geöffnet habe, denn ich betrachte immer noch die schöne braune Wand vor mir mit ihren kunstreichen Gravuren. Zur Kontrolle fahre ich mit mei­ner rechten Hand über mein Gesicht und halte sie dicht vor meine Augen. Die Bilder der Wand sind immer noch so klar wie zuvor. Ich taste meine Augenlider, und die sind geschlossen. Was geht hier vor? Ich öffne meine Augen bewusst, indem ich mit den Fingern nach­helfe. Ich erblicke die Malerei auf meinem Einbauschrank im Schlafzimmer. Darüber lagert sich nur noch schwach das Traumbild der Wand. Beruhigt über die schlichte Aufklärung schließe ich wie­der die Augen und betrachte erneut alle Einzelheiten, die der Künstler in die Fliesen gegraben hat. Ich gehe nochmals bis zur rechten Kante der Wand, reiße gewaltsam die Augen auf und das Traumbild weicht den Eindrücken meines Zimmers. - Nun hat dieser Traum aber, wie ich schon andeutete, Fortsetzungen. Das ist jedoch nicht ganz genau ausgedrückt, denn der Fortgang der Erlebnisse geschieht mehr oder weniger absichtlich, wenn ich mich in Trance in diese Szene begebe. Mit jeder Sitzung erkenne ich mehr Einzelheiten des Raumes, wobei die ausgekundschafteten Ecken der vorigen Betrachtung sofort klar zu sehen sind und ich sie beschreiben kann. - Nach und nach ging ich in immer weitere Einzelheiten, die ich in Trance von diesem Raum zu sehen bekam. Ich bin sicher, dass er entweder in dieser physischen Zeit oder anderswo so existiert. Wer mir diesen Traum mit solcher Energie schickt, so dass ich auch nachträglich noch mit Leichtigkeit Informationen daraus abzapfen kann, ist mir nicht bekannt. - Im Augenblick dieser Niederschrift überkommt mich der Wunsch, mich auf das Wesen einzustellen, das diesen Raum gestaltete und sehr häufig darin arbeitet. Gleichzeitig sperrt sich auch etwas in mir dagegen. Vielleicht komme ich später darauf zurück. - Helmut und Hans bleiben bei ihrer "Feststellung": "Mit dem Tod ist alles aus! Was du uns erzählst, sind Produkte deiner Phantasie, die auch im Traum oder in Trance weiterarbeitet mit den chemischen Prozessen in deinem Gehirn. Sobald dein Gehirn tot ist und keine chemischen Reaktionen auf lebendiger Basis mehr stattfinden können, gibt es dich nicht mehr. Alles, was in deinem Kopf stattge­funden und gespeichert worden ist in deinem Leben, existiert nicht mehr." - Ich nehme ihre Behauptung als Wahrheit und beobachte mich dabei, wie ich nicht existiere. Das kann ich jetzt schon sehen. Dann folgt prompt ihre Lehre: "Mit deinem Tod siehst du auch das nicht, dass du tot bist." - Ich erhebe keinen Einspruch. Ihr dürft Recht haben, Hans und Helmut. Ich entziehe mich wieder euren Definitionen, sofern sie mich betreffen. Ich lasse euch so zurück, dass mit eurem Tod alles aus ist. Selbstverständlich bekommt jeder von euch seinen eigenen Tod. Mit dem Hans-Tod ist Hans tot und mit dem Helmut-Tod ist Helmut tot. Und beide glauben, dass sie jetzt noch leben. Und dennoch spüre ich, dass sie ihre Lehre vom Nichtsein nach dem Tod von mir gerne widerlegt bekommen hätten. Sie möchten einen handfesten Be­weis, eine Tasse, die ich aus einem Traum mitbringe oder ein Pferd aus auf der Erde nicht vorkommenden chemischen Elementen, so ein transuranes Pferd, das aus lauter Atomen mit einer höheren Ord­nungszahl als 92 besteht. Sie glauben mir zwar, dass ich etwas Merkwürdiges erlebt habe, was mich veränderte und mir eine selt­same Sicherheit gibt, die es nicht gibt. Eine transurane Sicher­heit! - Was ich im vorigen Absatz machte, ist pure Verstandesarbeit. Es macht mir Spaß, pure Verstandesarbeit zu produzieren. Ich bin  Mathematiker und Physiker mit allem, was ich bin. Ich freue mich an den Naturgesetzen, wie sie schlicht und doch so ewig gültig sind und funktionieren. Ich stehe mit meinem Mathematiklehrer auf see­lisch engsten Kontakt. Ich spüre, welche Aufgabe er sich als näch­ste ausgedacht hat und er spürt, was ich mir gerade aushecke. - Die Aufgaben für die schriftliche Prüfung müssen der Regierung geheim zur Auswahl vorgeschlagen werden. Der Klassenlehrer sendet sechs Wochen vor dem Termin der schriftlichen Prüfung drei Vorschläge mit je drei Aufgaben an die vorgesetzte Behörde ein. - Ich selbst denke mir auch streng geheim drei Vorschläge aus, die ich einsenden würde. Ich hüte sie daheim, fern von der Schule. Eine Woche vor dem Prüfungstermin bin ich so dreist, dass ich meinen Klassenkameraden "meinen Tipp" zeige, nur die Art und den Sach­verhalt der Aufgaben sind darin. Niemand hält "meinen Tipp" für be­trachtenswert, nur ein freundliches Schmunzeln von einem Klassen­kamerad, der sich darüber amüsiert, dass ich "Mein Tipp" über die neun Aufgaben geschrieben habe. Ansonsten interessiert auch er sich nicht dafür. - Die schriftliche Prüfung beginnt unter Zeugen mit der Öffnung des Briefumschlages mit den von der Aufsichtsbehörde ausgesuchten Aufgaben, der ein unversehrtes Siegel aufweisen muss. Wir bekommen die ersten beiden Aufgaben aus meinem ersten Tipp, zwar nicht wörtlich, aber sinngemäß und sachlich, wie ich sie geahnt hatte, und die dritte Aufgabe steht buchstäblich in meinem zweiten Tipp. Nur ei­nige andere Zahlen brauche ich einsetzen, was sowieso für mich keine Rolle mehr spielt, da ich die Aufgaben bereits allgemein mit Variablen oft genug durchgerechnet habe. Ja, ich bin Naturwissen­schaftler. Es gehört zu meiner Natur, solche Informationswege zu kennen und zu benutzen, die sich, wissenschaftlich bewiesen, schneller als das Licht ausbreiten und für die es kein materielles Hindernis gibt. - Dagegen gibt es undurchdringliche Hindernisse für diese Art der Informationsübertragung, denn sonst gäbe es keine Paare, die nebeneinander nächtigen, vielleicht jahrelang und die Verständigung funktioniert nicht, weder verbal noch intuitiv. Dieselben Blocka­den sind es, die Hans und Helmut in ihrer Überzeugung festhalten und diese für wahr halten lassen, ohne die Standpunkthaftigkeit ihres Selbstes darin zu sehen. Ihre Standpunkte sind wahr von ih­rem Standpunkt aus betrachtet. Und ich denke nicht daran, jemandem zu sagen: "Verlass deinen Standpunkt und behaupte das Gegenteil!" - Damit habe ich mich natürlich selbst belogen, denn ich habe es ja hiermit gesagt, irgendein jemand soll seinen Standpunkt verlassen und das Gegenteil behaupten. - (Nachträglich schreibe ich hier an dieser Stelle nieder, dass ich den Sprung vom vorigen Abschnitt zu dem folgenden Zwiegespräch mit und ohne Worte als seltsam empfinde. Dieses Zwiegespräch schrieb ich spontan in Trance ohne an das Vorherige zu denken und ohne Ziel. Mir wird jetzt doch im Nachhinein bewusst, dass ich das, was sich bei stummer Kommunikation wirklich ereignet, nicht aussprechen kann.) - "Meister, sage mir, wie werde ich ein Meister!?" - "So nicht!" - "Aber es ist doch noch kein Meister vom Himmel gefallen. Ich muss doch erst lernen, die Dinge richtig zu sehen. Ich will auch alles tun, was du mir rätst! Sag mir doch wenigstens, wie ich es anfangen soll!" - "So nicht!" - "Kannst du denn wirklich nichts für mich tun, dass ich erleuchtet werde, dass ich wenigstens ein kleines Bisschen Erleuchtung kosten darf. Ich bin doch total blind!" - "So!" - "Du äffst mich mit deinem > So! < Ich will von dir wissen, wie ich erleuchtet werde, wie ich ein Meister werde!" - "So nicht!" - "Bist du denn überhaupt ein erleuchteter Meister?" - "Ich bin die Blindheit. Das kann ich sehen!" - "Ach, dann bist du also auch kein Erleuchteter. Wie schön! Du bist ein ganz gewöhnlicher Otto Normalverbraucher. Wie froh mich das macht, dass wir beide nicht erleuchtet sind. Ich hatte dich für einen Erleuchteten gehalten." - "Ich dich auch!" - "Meister, du spottest meiner. Du machst dich über mich lustig. Ich suche den Weg und finde ihn nie!" - "Ich höre dir zu!" - "Ich habe es doch schon gesagt!" - "Ich höre dir zu!" - "Ich weiß nicht, was ich sagen soll, Meister!" - "Ich höre dir trotzdem zu!" - "Dann will ich lieber schweigen!" - "Ich höre dir zu mit allem was ich bin, wenn du schweigst!" - "Was soll ich dir denn schweigen? Ich will ein Meister werden, dazu will ich wissen, was ich dir schweigen muss." - Sie schauen sich schweigend an. Sie stehen gemeinsam auf. Sie gehen gemeinsam fort. Sie begleiten einander schweigend, sie gehen und gehen ins Tal hinab, über Wiesen und Felder, an den Fluss. Sie folgen dem Fließen des Wassers Stunde um Stunde, schweigend. Die Nacht bricht herein. Eine Brücke führt über den Fluss. Sie bleiben stehen, wo der Weg sich gabelt. Sie schauen sich an, verbeugen sich voreinander. Sie wenden sich ab, jeder in die eigene Richtung, der eine in das wohlbekannte Dorf, der andere über den Fluss in das    unbe­kannte Gelände auf der anderen Seite des Wassers. ... Schweigend! ... Schweigend? ... Wer geht wohin? ... Wer bin ich in diesem Dia­log? - Die Blockade, zu wissen, dass mit dem Tod alles aus ist, erhebt sich selbst zur Wahrheit. Wenn Hans und Helmut damit zufrieden sind, sollen sie mich nicht fragen, ob es wirklich stimmt. Helmut sagt auch selbst, dass er nicht hinschauen will. Es ist ihm zu gefährlich, wenn seine Wahrheit nicht stimmt. Das gehört zu seiner Selbstverteidigung. Er hat Angst, wenn er von seinem Standpunkt abkommt, gibt es "fürchterliche" Veränderungen für ihn. - Jedenfalls befürchtet er etwas Schlimmes, was ihn davon abhält, seinen Standpunkt auch nur geringfügig ändern zu wollen. Ich habe deswegen keine Sorgen. Ich will mich hier damit befassen, wie ich meine Standpunkte beziehe oder verlasse, verändere oder beibehalte. Oft gebrauche ich das Wort "Bewusstsein", wo ich auch wie andere das Wort "Seele" gebrauchen könnte. Dieses Wort aber ist mir mit zu vielen Vorstellungen aus der christlichen und anderen Religionslehren beladen. Die Vorstellung, die Seele sei ein Stück Gott, so eine Art Kopie von ihm, aber in kümmerlicher unentwickel­ter Form, die gestützt, gehegt und gepflegt werden müsse, damit aus ihr etwas wird, ist eine mögliche Wahrheit, deren Standpunkt­haftigkeit ist sehe. - Wenn ich die Seele definiere, sie abgrenze, beschränke, sperre ich sie in eine Falle. Das sehe ich weder als gut noch als böse an. Die Folge aber ist, dass diese Seele verkümmert in ihrer Unfreiheit. Dieses Seelenbewusstsein vegetiert vielleicht recht und schlecht dahin, dem Tod entgegen mit der Hoffnung auf einen gnädigen Richter oder auf eine Auferstehung oder eine Wiedergeburt. Das ändert nichts daran, dass es nach dem Glauben geschieht, den das Bewusstsein für sich in Anspruch nimmt. Die Vorstellung, dass in je­dem Menschenkörper eine Seele oder eine Bewusstsein ist, - die einen denken, der Körper bringe das Bewusstsein ins Leben, die an­deren denken, das Bewusstsein erzeuge den Körper und wieder andere verkünden die Botschaft, ein Überwesen pflanze in die minderwer­tige Materie des menschlichen Körpers eine unsterbliche Seele - diese Vorstellungen sind alle Wahrheiten und gleichzeitig Halb­wahrheiten oder Lügen oder nur Standpunkte, wie es sich eben auch machen lässt. Es spielt auch keine Rolle, ob sich solche Wahrheiten widersprechen oder nicht. - Von einem Erlebnis hierzu möchte ich berichten (Mount Lavinia), was mich zu der Ansicht brachte, dass das einzelne Bewusstsein eines ständigen Wachstums fähig ist, dass es stillstehen kann oder sich zurückbilden, dass es mit anderen Bewusstseinswesen verschmelzen, zu eins werden kann und dass es sich in zwei oder mehrere Bewusstseinswesen teilen kann. Schließlich folgere ich sogar daraus, dass alle Uni­versen, die unbekannten eingeschlossen, sowohl als ein einziger Punkt ohne Ausdehnung betrachtet werden kann, wie auch, dass jeder einzelne Punkt des Universums alles enthält, was ist. Was in einen einzigen menschlichen Körper an Bewusstseinsänderung vor sich geht, das geschieht in allen Punkten des Universums gleichzeitig, jegli­che Information und alles Sein ist im Allerkleinsten, dem Nichts, enthalten. –

 

 081 – 082 -  Eine Rückführung in die Urzeit - 1993.03.21.3  Miro: Ich mache mich bereit für die Session. 10i37. Ich bin Viram, relaxation. Ich nehme den Kristall von Sangeeta und schaue durch ihn hindurch in die Kerzenflamme. Ich denke an das Weltall, von dem war in der vorigen Sitzung die Rede. -   Albatros: Wir lassen die Bilder erst einmal vorbeiziehen. Du bist Zuschauer. Du siehst durch das Mikroskop das Leben in einem Heuaufguss. Die Bilder wechseln in Zeitraffertempo, un­sortiert und unkontrolliert: Erlebnisse, Träume, Visionen, Fan­tasien. Es kommen Geräusche hinzu: Vogelstimmen, Meditati­onsmusik, Kanonendonner, Granatenexplosionen, Raketenzischen, Maschinengeklapper, das Dengeln auf einer Sense, der Ge­sang eines Scherenschleifers, Autobrummen, Menschen­stimmen. Erinnerungen an Gerüche kommen wieder: Pferdestall, Rosen­duft, Schwelbrand, Erde, moderndes Laub, Meeresluft, Kastanien Blüten. Du bist so tief in Trance, dass du kaum die Buchstaben findest. Die Bilder, Geräusche und Düfte folgen weiter in wahl­loser Reihe. Sie überlagern sich zu mehreren Schichten, sie vermischen sich zu neuen Komposi­tionen.  Sie bilden Ablage­rungen, die zu Stein werden, eine Schicht legt sich auf die ande­re. Der Fluss der Zeit trägt immer neues Material heran und die Erlebnisse werden als Erinnerungen aufgezeichnet. Das Tal füllt sich, während der Boden absinkt und oben Platz für neues Ma­terial entsteht. -   Der Fluss der Zeit bringt Neues darüber mit jedem Tag, mit je­dem Mond, mit jedem Jahr. Auf Jahrzehnte folgen Jahrhun­derte, Jahrtausende und Jahrmillionen. Die Bilder und Erlebnisse dei­nes jetzigen Lebens stecken alle in der obersten Schicht, die du noch mit der Hand durchwühlen kannst. Darunter aber bist du auch, es gibt nichts, was nicht zu dir gehört. Ob heil oder krank ist nur die Weise, in welcher Folge du es dir bewusst machen willst. Für den Embryo ist die Geburt der Tod seines embryona­len Daseins, für das Kind ist es die Auferstehung zum Men­schen. –  Du siehst wieder Bilder und Szenen, wie die Menschen die Welt verbessern wollen, du willst die Menschen verbessern, indem du ihnen sagst, dass alles so ist, wie es ist. Das glauben sie dir nicht. Die Welt lässt sich verbessern von bestimmten Standpunkten aus betrachtet. Es ist möglich, die Ernährung der Weltbevölkerung zu sichern, so dass keiner mehr verhungern braucht. Ob das aber eine Verbesserung ist, unterliegt nur der Definition dessen, was für besser erklärt wird. -  Miro: Mir kommt das alles irgendwie bekannt vor, aber ich könnte dir, Albatros, jetzt nicht wiederholen, was du mir soeben diktiert hast. Ganz bestimmt kann ich nicht erzählen, was ich ge­sehen, gehört und gerochen habe. Von einer Reihenfolge in der ganzen Vorstellung ist mir nichts bewusst. Mir ist, als würde alles auf dieselbe Fotoplatte projiziert. Das ergibt zusammen weiss. Es ist die Erinnerung daran, dass eigentlich alles so bunt ist, wie das weiße Licht nach dem Durchgang durch das Prisma. –

 

084 - Traumübertragungen - Gänseei - Spargel - Nachtwandeln - Bevor ich den Urlaubsort Oostkapelle nach sieben Tagen verließ, schaute ich mich nochmals um, als ich am oberen Ende der Strasse vorbeikam, über der sich mein Bewusstsein zu Beginn der Vision befand. Es war eine neu angelegte Straße, die links und rechts noch unbebaut war und an deren oberen östlichen Ende zwei Häuserblocks zu sehen waren. Die folgenden Fortsetzungen der Visionen fanden in meinem Wohnhaus statt. - Meine Zeit der "lebensentfremdenden" Seherei war vorbei. Ich weiß, dass ich sie jederzeit wieder hervorholen kann und ich weiss, dass alles existiert, vieles davon existiert auch physisch real in irgendeiner physischen Zeitepoche. Wie ich zu dieser Ansicht komme, will ich beschreiben, nachdem ich von zwei weiteren seltsamen Be­gebenheiten berichtet habe, die mit den Bildern um die in der Vision gesehenen Betonwand zu tun haben. Die erste davon ereignete sich ein Jahr später: Der Ferienort, von dem die Rede war, bietet weit mehr als dreitau­send Menschen Quartier. Dennoch ist er in der Saison meistens überbelegt. Per Telefon erfuhr ich, dass die Familie, bei der ich im letzten Jahr wohnte, kein Zimmer mehr frei hatte. Aber der Fremdenverkehrsverein des Ortes vermittelte mir eine Unterkunft, die ich telefonisch buchte. Froh und gelöst, weil ich keine Sorge wegen der Zimmersuche haben brauchte, fuhr ich bald in den Ferien­ort, erkundigte mich beim Verkehrsverein nach der Lage der Straße, wo mein Quartier sein sollte und erhielt eine gute Skizze für die Suche. Mich überlief eine Gänsehaut, als ich mich auf der Stelle der Strasse wieder fand, wo die Vision begonnen hatte. Rechts stan­den schon Häuser, am Ende der Straße erkannte ich die beiden Häu­serblocks vom vergangenen Jahr wieder. Und genau im rechten Block befand sich mein Quartier, dort wo die beiden Betonwände geschlos­sen wurden, als ich auf die Begegnung mit dem Licht eingestimmt wurde. Ich wohnte in dem Block, wo ich das Quadrat in der Betonwand hatte leuchten sehen. - Dass ich sieben Jahre später bei derselben Familie wieder Quartier fand, diesmal zwar in einem Zimmer auf der Rückseite des Hauses mit Blick nach Osten, lag ganz einfach daran, dass ich mich vorher bei den Leuten erkundigte, ob ich bei ihnen wohnen konnte. Nicht so einfach sieht die andere Begebenheit aus: - Nämlich, nach weiteren drei Jahren fahre ich in der Hochsaison mit einer Freundin wieder in diesen Ferienort. Meine Freundin meint: "Wir bekommen ein Quartier! Ich visualisiere es und wir bekommen es!" - Aber der Verkehrsverein des Ortes belehrt uns eines Besseren: "In dieser Stadt ist kein Zimmer frei!" - "Moment mal, ruft eine andere Stimme! Es hat gerade einer bei uns angerufen! Es haben Feriengäste abgesagt, erst soeben! Sie habe ja vielleicht ein Glück! Das Zimmer können Sie sofort buchen!" Ich sehe, während der Mann hinter seinem Pult die Adresse aufschreibt, dass er mir den Weg nicht erklären braucht. Es ist die wohlbekannte Strasse, nur die Hausnummer weiss ich noch nicht einzu­ordnen. Diese finde ich in dem bekannten Häuserblock, eine Tür weiter rechts als bei beiden letzten Besuchen und in der Vision. Ich habe das Zimmer nach Osten, wieder auf der Stelle, wo sich in der Vision die Betonwand schloss und öffnete. - Aber nun will ich darstellen, wie ich zu der Ansicht komme, dass alles existiert, was ich in den Visionen erfuhr und manches davon auch für physisch existent ansehe: Schon viele Jahre zuvor machte ich die Beobachtung, dass ich beim Erwachen manchmal Dinge sehen konnte, die sich über die Konturen der Gegenstände in meinem Schlafzimmer lagerten, nachdem ich die Au­gen öffnete. Manchmal war es zuerst auch ein Traum, aus welchem ich momentan aufwachte, wobei die Bilder des Traumes nicht verschwan­den. Ich tauchte bewusst wieder in den Traum ein und dieser ging weiter. Zur damaligen Zeit fiel mir ein Artikel über wissenschaft­liche Experimente zur Erforschung des Träumens in die Hände. Es gibt erwiesenermaßen die Möglichkeit, einem Schläfer in der REM-Phase, das ist die kurze Zeit vor dem Aufwachen, wenn sich die Au­gen des Schläfers mehr oder weniger wild bewegen, Traumbilder zu suggerieren. Weckt man den Schläfer danach auf und lässt ihn be­richten, was er geträumt hat, so berichtet er als Beweis hinrei­chend oft von den Suggestionen, die sein Sender ihm per Gedanken geschickt hat. Diese Übertragungen funktionieren umso besser, je näher sich die beiden Testpersonen emotional stehen. - Also können meine Träume ebenso gut Funksignale von Sendern sein, die zu der Zeit wach sind, während ich gerade in der REM-Phase bin in Traumbereitschaft: - 1. Ich weiß, dass ich träume und sehe vor mir den Hügel eines Spar­gelbeetes. Ich sehe meine weißen Mädchenhände, die rechte Hand hält ein Spargelstecheisen, das ich in den Boden steche, um die Spargelstange möglichst tief und vollständig vom Stock im Boden zu trennen. - Am nächsten Morgen kommt eine Kollegin ins Lehrerzimmer und berichtet, dass in ihrer Klasse eine Schülerin ist, die hart und viel arbeiten muss im elterlichen Betrieb, sie müsse jetzt zur Spargel­zeit schon im Morgengrauen aufs Feld und habe bereits drei Stunden gearbeitet, ehe sie zur Schule kommt. Es ist ausgerechnet die Schülerin, die seit Jahren eine solch eigenartige Ausstrahlung auf mich hat, dass ich ihre Anwesenheit oder ihr Kommen durch mehrere Mauern hindurch spüre. - 2. Wieder träume ich bewusst. Es ist November, ich bin draußen in der Dunkelheit und gehe in einen Gänsestall. Ich schalte das elek­trische Licht ein. Die Gänse werden unruhig und schnattern laut. Ich sehe ein dickes Gänse Ei am Boden liegen, auf das ich zugehe. - Noch während ich träume und erwache, überlege ich, ob es sich um einen Übertragungstraum von einem lebenden Mitmenschen handeln könnte. Mir fällt ein, dass ich in der ersten Unterrichtsstunde eine Schülerin in der Klasse habe, die vom Bauernhof zu Hause ist. Ich nenne sie einmal Ingrid. Zu Beginn der Stunde frage ich sie: - "Ingrid, habt ihr Gänse?" - "Ja!", antwortet sie ziemlich gelangweilt. - "Warst du heute Morgen im Gänsestall und hast das Licht einge­schaltet? - "Ja!", entgegnet sie ziemlich verdutzt. - Nun wage ich die Behauptung: - "Und da hast du ein dickes Gänse Ei gefunden und aufgehoben!" - "Ja!", ruft sie ziemlich erschrocken und fügt recht aggressiv und verunsichert hinzu: "Woher wissen Sie das!?" - 3. Das dritte Beispiel dieser Art klärte sich erst viele Jahre später, nachdem der Spuk schon lange vorbei war. Es ist ein jahrelang sich oft wiederholender, ziemlich luzider Traum, ich weiß also meistens, wie es weitergeht und dass es derselbe schöne Traum ist: Ich bin im Bett ei­ner Schlafkammer unter dem Dach des Hauses. Ich sehe das Fenster, klettere hinaus und gehe auf den Dächern spazieren. Ich fühle mich frei und beschwingt bei diesen Spaziergängen. Ich kenne alle Tritte und jeden Firstziegel und schaue in die Runde über den gan­zen Häuserblock. - Dieser Traum kommt eines Tages nicht mehr. - Acht Jahre später erzählt mir eine ehemalige Schülerin, dass sie früher, als sie noch zur Schule ging, jede Nacht über die Dächer gelaufen sei von ihrer Dachkammer aus. Da kannte sie sich gut aus, da fühlte sie sich wohl und konnte den ganzen Häuserblock übersehen. Sie war sechs Jahre lang in meiner Klasse gewesen und wir waren uns immer sehr sympathisch. - Der Beispiele könnte ich noch etliche anführen, wo ich bemerke, wie mir Informatio­nen zufliegen, die meistens von Personen ausgehen, die mir "emotional nahe" sind. Ich will das Wort "verliebt" nicht da­für gebrauchen, weil dieses manchmal auch mit einem negativen Beige­schmack gebraucht wird. - Ich betrachte dieses Phänomen der Bilderübertragung einmal aus  der Sicht oder von dem Standpunkt aus, von dem ich sehen kann, dass es überhaupt keine neuen Gedan­ken, Bilder und Ereignisse gibt, sondern dass nur mein Bewusstsein umhervagabundiert und sich Kanälen öffnet oder verschließt. Ist ein Mensch mir besonders sympathisch, so fließen Informationen von seinen frischen Eindrücken umso besser zu mir, je intensiver oder emotionaler er an mich denkt, sich damit auch mir öffnet. Bekannt­lich lernt die Schülerin, die in ihren Mathematiklehrer verliebt ist, mit einem Mal Mathematik, die ihr vorher so sehr schwer vor­kam. Es lag also nicht an den Fähigkeiten der Schülerin oder des Mathematiklehrers, sondern einfach daran, dass ein Kanal der Infor­mationsüberbringung geöffnet wurde von beiden Seiten. - Wenn ich beim Experimentieren mit Raum und Zeit in den Visionen hinter der Betonwand Bilder und Szenen sah, so sind sie nicht von mir produziert, sondern sie existieren zeitlos, nur mein Bewusstsein hat sich hineingeschlichen (und sich wieder hinausgestohlen). Was von allen diesen Szenen im vierten Jahrtausend tatsächlich phy­sisch stattfindet, danach habe ich nicht gefragt. - Ich sehe die Geschichte der Menschheit als fertiges Album an, in dem wir gemeinsam blättern, schön artig eine Seite nach der anderen, wie die Muhme (Tante ZEIT) es uns befahl. Beim gemeinsamen Betrachten einer Seite, haben wir den Eindruck im Hier und Jetzt der Zeit zu sein, was wir das HEUTE nennen. Aber die nächsten Sei­ten und die vorangegangen existieren genauso gegenwärtig wie die Gegenwart, nur das gemeinsame Experiment des Betrachtens vermit­telt den Eindruck von Zeit. - Ich treffe Hans, den Naturwissenschaftler, den Elektronikfachmann, dem ich diese ganze Geschichte erzählen muss, weil er behauptet: "Es ist noch niemand zurückgekommen oder von den Toten auferstanden. Mit dem Tod ist alles aus! Selbst wenn einer vier Stunden klinisch tot war und dann wieder belebt wurde, so war er nicht wirklich tot, seine Gehirnzellen konnten noch arbeiten und die Erinnerungen daran sind das, was er Jenseitserfahrung nennt!" - Ich sage dem Hans nur: "Ich muss nicht recht haben! Meine Erfahrung lehrt mich, dass mein Bewusstsein auch außerhalb meines Köpers oder mit dem Körper anderer Personen funktioniert." - Folgende Begebenheit will ich als Beispiel dafür anführen, wie ich zu der Ansicht komme, dass ein und derselbe Körper nicht unbedingt nur ein einziges Bewusstsein beherbergen kann. Die Angst vor Besessenheit ist völlig überflüssig, wenn ich sie mir vorher nicht ein­rede oder einreden lasse: - Ich werde mir in der Nacht bewusst, dass ich unmittelbar vor der verschlossenen Schlafzimmertür bin. Im Halbdunkel kann ich alles erkennen, auch meinen schlafenden Körper, der im Bett liegt. Dies ist meine erste außerkörperliche Erfahrung und ich bin fasziniert davon, wie ich schwerelos, körperlos sehen und mich auch etwas bewegen kann. Ich nähere mich der Tür, die Maserung im Holz wird im­mer deutlicher und vergrößert sich, je näher ich komme. "Wunderbar!", denke ich, "aber schade, dass die Tür zu ist. Ich kann die Klinke nicht betätigen, weil ich keinen Körper mit physischen Händen daran habe. Wenn sie offen stehen würde, könnte ich jetzt einmal den Flur entlang schweben!" - Im selben Augenblick gehe ich durch das Holz der Tür und bin im Flur. Meine Begeisterung steigert sich spontan. Ich denke an die Diele und schon bin ich in der Diele. - Plötzlich bekomme ich Angst. "Was nun, wenn ich nicht mehr zurück durch die Tür zu meinem Körper kann, denn die Tür ist ja verschlossen!?" Schon bin ich im Flur vor dem Holz der verschlossenen Schlafzimmer­tür. Ich stelle mit vor, wo jetzt etwa mein Körper zu finden ist und ich durch­dringe wieder das Holz. Er liegt wohlbehalten im Bett, auf dem Rücken, der Kopf ist leicht nach rechts gedreht. Aber, oh Schreck, mein Körper ist besetzt, ein anderes Wesen hat in meiner Abwesenheit davon Besitz ergriffen, um darin weiterzule­ben, weil es bei einem Unfall tödlich verletzt wurde. Ich sehe ganz deutlich ein erbsengroßes grünes Licht unter dem Brustbein in meinem Kör­per, das durch Knochen und Bettdecke hindurch scheint. Ich erkenne dieses Wesen: Es ist die junge Frau aus dem Kursus in der vergan­genen Woche im autogenen Training, die mich so bezau­bernd an­lachte, als ich aus der Trance kam und die Augen öffnete. Ich war für diesen winzigen Augenblick für sie völ­lig offen gewe­sen, ich war völlig irritiert von ihrem Charme, bis sich der Ver­stand einge­mischt hatte. Ich bin jetzt im Schlafzimmer außerhalb meines Kör­pers si­cher, dass sie in der Nacht tödlich verunglückt ist und sich in meiner Abwe­senheit meinen Körper genommen hat, um damit weiter­zuleben. Sie hat mich bemerkt, ich bin etwa 80 cm oberhalb von ihr und rede sie freundlich an: - "Das ist mein Körper, den brauche ich noch!" -Sie versteht sofort, dass ich der Meinung bin, sie müsse hinaus, damit ich mein Wohnrecht wahrnehmen kann. Aber sie meint erstaunt: - "Wie! In einem Körper ist doch genug Platz für zwei! - Ich möchte es dir zeigen! Komm nur zu mir!" - Gewiss kann sie meine Gedanken miterleben, und ich willige ein. Zu diesem Zeitpunkt werde ich zu einem ebenso großen grünen Licht wie sie und ich fühle eine liebevolle Kraft, die mich auf sie zu sausen lässt. Aber wir treffen uns nur beinah. Die Energie des Absturzes wird in Ro­tationsenergie verwandelt wie bei zwei Eiskunstläuferinnen, die aufeinander zufahren, sich ergreifen und dann im wilden Wirbel um­einander kreisen. Ich bilde mit ihrem grünen Licht eine Ein­heit wie zwei Atome eines Moleküls, das um die dazwischen liegende Achse rotiert. Es fühlt sich wahnsinnig schön an. Ich möchte im­merzu mit ihr so umhersausen. - "Ich möchte dir deinen Körper zeigen, wie er von innen aussieht", sagt sie. Ich folge, immerzu mit ihr in Rotation, durch meinen ganzen Körper, durch alle Organe von Kopf bis Fuß und zurück. Schließlich kommen wir an unserem Ausgangspunkt in der Brust wie­der zur Ruhe. "Und ich möchte dir noch was zeigen!" sagt sie. " Wir machen uns jetzt groß, so groß wie dein Körper!" - Ich bin mit allem einverstanden und sehe, wie ihr grünes Licht und das meinige zu wachsen beginnen. Wir behindern uns dabei nicht, sondern fangen an, uns zu durchdringen, wobei das gemeinsame Leuchten sich weiter und weiter ausdehnt. Bald haben wir den ganzen Brustkorb ausgefüllt, den Bauch, Hals Kopf und Gliedmaßen. Ein unbeschreibliches Gefühl der Wonne durchpulst mich, als ich anfange zu erkennen, dass ich meinen Körper wiederhabe, aber dass die "fremde" Frau ihn gleichzeitig ganz ausfüllt. Wir sind eins und den­noch kann ich mit ihr als der anderen reden, stumm, wortlos, so intensiv, wie es mit Worten nicht geht. Ich bin wach und doch in Trance. Ich fühle, wie ich ruhig atme. Ich rede mit ihr. - "So!" sagt sie, "und jetzt will ich mich von dir verabschieden. Ich will wieder fort!" - Das macht mich überhaupt nicht traurig, seltsam! Ich bleibe so glücklich zurück, weiß, dass sie fort ist und fühle, dass sie da ist. Ich begreife lange Zeit den scheinbaren Widerspruch nicht. - Ich schlafe in der Nacht noch einmal tief und fest ein, ich weiß nichts mehr, wo ich in diesem Schlaf noch gewesen bin. Jedenfalls hielt das Glücksgefühl noch fast zwei Wochen so intensiv an wie bei der Begegnung. Danach verblasste es bei einem intimen Kontakt mit der Ehefrau, aber ohne jemals ganz zu verlöschen. –

 

088 – 093 – Cara -
  325.1 Miro: In der Pause nach der Sitzung am gestrigen späten Abend bin ich eingeschlafen und es ist jetzt in der Morgenfrühe. Soeben malte ich ein Bild von meinem Gesicht, so wie ich es ge­stern in der Malgruppe mit Padma übte. Wir malen ohne Verstandesvorschriften. - Ich bin bereit für die Session zum Buch. -  Alb#tros: Du hast just wieder einmal meinen Namen korrigiert, weil du glaubtest, dich vertippt zu haben. - Ich fahre fort am Buch: Du willst wissen, wer Cara eigentlich ist. Die Antwort auf diese Frage habe ich dir schon mehrmals gegeben, als du während einer Atemsession wissen wolltest, wer es ist, der dir in verschiedenen Visionen und Ekstasen begegnet ist in den vergangenen Jahren. -  Miro: Ja, ich entsinne mich. Es war jedes Mal dieselbe Antwort bei allen Wesen, die sich nochmals vorstellten. Jede Individuali­tät gab auf meine Frage ,,Und wer bist du?" dieselbe Entgeg­nung: ,,DAS BIN ICH!" -   Jetzt wird mir ein wenig schwindelig im Kopf, wenn ich selbst kombiniere: Alb#tros ist Cara?. Ich will nicht so recht ran, es niederzuschreiben. Cara ist doch schlicht ein menschliches Wesen, das mich zwar fasziniert, aber soll ich denn jetzt weiterdenken und sagen, ...   Alb#tros: Du fragst mich, wer eigentlich Cara ist. Ich sehe, wie dein Verstand ausflippt. Ich höre, wie auf den letzten Reihen im Gerichtssaal geraunt und gemunkelt wird:   ,,Da seht ihr es! Er ist nicht mehr normal!" - Ich beobachte, wie sich mancher kopfschüttelnd abwendet und den armen Narren bedauert, der so etwas sagt. Dass ich Alb#tros, dein Geschöpf bin, dass ich ein anderer bin als du, und dass ich du bin, das lassen viele noch als interessante Spielerei gelten, zwar nicht so richtig, aber er ist halt ein wenig versponnen, der Miro. Schon gut! denken sie, lassen wir ihm mal den Spaß und tun so, als wenn das stimmt. -  Jetzt kommt dieser Narr von Alb#tros auf die Frage, wer eigentlich Cara sei, mit der Weisheit heraus: DAS BIN ICH. Eine solche Behauptung hält keiner Überprüfung stand, so denken sie. Ein Mensch aus Fleisch und Blut, der schon längst geboren war, bevor Miro den Alb#tros erschuf, soll ... ? ... Zeig uns doch mal diese Cara. Dann fragen wir sie selbst, wer sie ist. -   (Gerade erlebst du eine Antwort als Szene mittels Traumbildern, die ich dir zu diesem Zweck aneinander reihe. Im Buch dagegen geht es anders weiter): Ein Team von Reportern begibt sich in die oberitalienische Stadt, in der Cara lebt. Drei Männer machen sich als interessierte Käufer sehr diplomatisch an sie heran und stellen ihr im unscheinbaren Augenblick die Frage: Wer bist du eigentlich? -  In diesem Augenblick erlaube ich, der Alb#tros, mir den Spaß, dass ich mich in Cara verwandele, von ihr hundertprozentig Besitz ergreife und mich mit den Neugierigen in ein Wortgefecht einlasse. - >> Cara: - Wer ich eigentlich bin? - Mich stört dieser Zusatz >eigentlich<. - R1: Dann frage ich kurz: Wer bist du? - C: Ich bin Cara. - R2: Gibt es da vielleicht noch Genaueres, was deinen Namen betrifft? - C: Wie meinst du das? Cara Maria Marina Corvetti. - R1: Das klingt ja wundervoll. Sind das wirklich alle deine Namen? Oder hast du vielleicht noch mehr Namen? - C:  Mir reichen diese Namen. - R3: Wir sind aus einem ganz bestimmten Grund hier, wie du dir sicherlich selbst denken kannst. - C:  Ja, das kann ich. Ich kann mir das selbst denken. - R3: Wir haben ein Problem. - C:  Das sieht ganz danach aus. Womit kann ich euch dienen? Ich verkaufe Schmuck und Edelsteine. Eine Zauberwelt! Meine Zauberwelt sind Edelsteine, sie haben magische Kräfte. Ich zeige euch gerne meine schönsten Schätze. Hier, schaut! - R1: Wundervoll! - R2: Phantastisch! - R3: Einfach zauberhaft! - R1: Um ganz offen zu sein, verehrte Cara, sind wir noch mehr an deinem Wissen über deine Vorstellungen über Seelenwanderung interessiert. Kannst du dich vielleicht daran erinnern, ob du schon mal ein Mensch in einer anderen Zeit in einem anderen Land auf dieser Erde gewesen bist? - C: Freilich! Ich habe oft solche Ideen? Ob das stimmt, interes­siert mich nicht sonderlich. - R3: Kannst du dir vorstellen, auch einmal ein Tier gewesen zu sein? - C:  Ja, ich wünsche mir sogar, mal wieder eine Katze zu sein. Ich habe schon so viel von meinen Katzen gelernt! - R2: Erinnerst du dich daran, einmal ein Vogel gewesen zu sein, eine Elster, ein Adler, ein Schwan? - C:  Worauf wollt ihr eigentlich hinaus? Nachher macht einer noch ein Foto von mir und behauptet, so sieht ein Albatros aus. Dann verhandeln wir aber vorher über den Preis. - R3: Ich bin sicher, wir sind richtig hier, und wir sind gut beraten, zu dir zu kommen. - R1: Ich kaufe dir die Story ab. - C:  Welche Story? - R1: Den Albatros meine ich! Du erinnerst dich, ein Albatros gewesen zu sein. Die Geschichte kann ich vielleicht brauchen. - C:  Also: Kommen wir zur Sache: Zuerst will ich den Preis, aber in US-Dollar. Sonst verrate ich nichts. - R1: Zehntausend. - C: Dafür rühre ich keinen Finger.  - R2: Wir wissen noch so gut wie nichts. Wie können wir mehr bieten, ohne deine Story zu kennen?  - C:  Wir brauchen nicht länger von einer ,,story" zu reden. Es war sehr interessant mit euch. - R3: Wir sind wirklich interessiert, nur wollen wir die Katze nicht im Sack kaufen. Etwas Konkretes wäre uns dienlich, damit wir ein besseres Angebot machen können. - C:  Daraus wird nichts. Ihr wisst genau, um was es geht. Ich halte euch nicht für dumm. Ihr kennt euch damit aus, was für mich dabei auf dem Spiel steht. - R2: Jedenfalls kommen wir uns so näher. Ich glaube, die Sache ist echt. Zwanzigtausend Dollar! Bargeld! - C: Ihr könnt ihn haben. Zwanzigtausend Dollar, Bargeld! Und kein weiteres Wort darüber! Hier schaut euch diese schöne Arbeit an: Elfenbein! Ein Albatros aus Elfenbein! - R1: Ich werde verrückt! Da ist er tatsächlich! Jetzt heraus mit der Story! - C: Ich möchte wissen, welcher verrückte Geist euch reitet und euch zu mir schickt. Geträumt habe ich letzte Nacht schon von drei Männern, die den Albatros kaufen wollen, und jetzt wollen sie dazu auch noch eine Geschichte haben. << -   Miro: Ich möchte wissen, ob diese Cara, in der Viertelstunde, als du, Alb#tros, mir diese Zeilen diktiert hast, etwas davon mitbekommen hat, was du mit ihr angestellt hast oder nicht. -   Alb#tros: Caras Begegnung mit den drei Besuchern und die Verwechslung und Verwirrung um einen ,,Alb#tros" existiert. Ihr Bewusstsein erinnert sich an einen Traum. Das Geschehen selbst ist zeitlos, nur die Tatsache, dass jeder sein Bewusstsein in die fertigen Ereignisse einfließen lassen kann, wann er und der ande­re es wollen, schafft die Vorstellung von Zeit. - Du fragst, wann und wo das war, mit den drei Besuchern bei Cara und der Verwechslung wegen dem ,,Alb#tros"? Dabei denkst du an einen Kalendertag und an ihren Juwelierladen. Du bekommst von mir diese Geschichte am 25. März 1993 in Poona in der Morgenfrühe und schreibst sie beinah geistesabwesend auf. Sie ist weder neu noch alt. - Jeder, der sein Bewusstsein in das Ereignis ausdehnen will, kann es erleben, ohne von diesen Zeilen hier jemals etwas gesehen oder gehört zu haben. Er kann es erleben als Cara oder als einen oder mehreren von diesen Besuchern. Er mag es in einer >Rückführung< machen und dann erzählen: ,,In einem früheren Leben war ich eine Schmuckhändlerin in Oberitalien. Ich handelte auch mit Edelsteinen und hatte „außer der Reihe“ eine wunderschöne Schnitzerei in Elfenbein, einen Alb#tros, den ich nicht legal verkaufen konnte. -   Dann kamen drei Kunden in meinen Laden mit der komischen Frage: ,,Wer bist du eigentlich?" ... und so weiter!" -   Miro: Das will ich mir in Ruhe noch einmal durch den Kopf gehen lassen. Ich bin keineswegs zufrieden mit deinen Erläuterungen. -  Alb#tros: Das ist meine Absicht. Ich habe von dir Prokura, dich zu heilen. Zu dem Zweck muss ich dich abmachen und mich einmischen (dyn<<mix - Meditation). Es hängt mit der Einengung des Verstandes zusammen, die auch nur eine Programmierung ist, die aufgehoben oder geändert werden kann. - Ich lasse das Thema offen. - Du gähnst, Miro. - Ich schließe für heute mit dem Buchdiktat. -
(325.2?) Alb#tros: Du glaubst mir nicht sofort, dass ich schon beim Diktat für das Buch bin. - Seit Tagen fällt dir mehrmals auf, dass zwischen dir und Padma ein besonderer Informationskanal funktioniert: Noch bevor du von ihrer Malgruppe erfährst, denkst du an das Signieren als Kunst und du meditierst über das Gesichtermalen, das der kleine miro mit vier Jahren aufgab. - Genau diese Themen bringt Padma in ihrem Malkursus. Auch während der Gruppe bemerkst du, dass du des Öfteren einen Gedanken hast, den Padma dann gleich darauf ausspricht. Dass ich diese Sitzung ohne Einstimmung direkt anfangen kann, hängt damit zusammen, dass du durch das Mandala-Malen heute und durch die beiden Tage zuvor völlig offen bist für Intuition. In ihr sind Übermittlung von Daten ohne Schall und ohne elektromagnetische Wellen möglich. Diesen telepathischen Kanal benutze ich, um mit dir, mit Cara, mit Padma und mit jedem zu kommunizieren, der dafür offen ist. -  Du sagst Padma heute zum Schluss, dass du wirklich glücklich bist und ihr umarmt euch. Sie gibt zurück, dass sie auch sehr glücklich ist. Du bist begeistert von der Musik während der Arbeit, du tanzt und fühlst dich in einer wunderbaren Weise animiert, dich malend zu betätigen. Du ahnst, welch bunte Welten sich auftun über den Kanal der Intuition. - Sai Shuka: Du zögerst, meinen Satz aufzuschreiben, den ich dir anbot: >Morgen ist wieder ein besonders schöner Tag für dich<! - Miro: Im zweiten Anlauf habe ich es dann aber geschafft. Morgen ist wieder ein besonders schöner Tag für mich. Es ist spät. Ich will schlafen. Gute Nacht miteinander! - Alb#tros: Ich bin mit Sai Shuka verabredet. Wir sind beschäf­tigt, während du jetzt nächtigen magst. -
 327.1 Miro: 11i30. Ich bin schon in Aufbruchstimmung, Poona zu verlassen. Der Malkursus ist beendet. Mir ist, als wenn ich jetzt in eine andere Welt aufbreche. Ich fühle mich verloren. Ich sammle mich für die Meditation und das Buchdiktat bei Kerzenschein, Räucherduft und der Musik: Spirit of the redman, die mich beim Mandala-Malen so geheimnisvoll ansprach. -  Alb#tros: Die Musik berührt dich sehr tief. Es lösen sich mehr und mehr Verspannungen und geben die eingefrorene Energie frei. Du überlegst, ob du die Musik abstellen willst und eine andere ----   Miro: Ich habe noch immer keine rechte Lust für die Nieder­schrift. Ich schreibe mal einfach, was ich so empfinde. Der immer wiederkehrende Rhythmus der redman Musik beruhigt und reizt mich zur gleichen Zeit. Ich will nach innen schauen, bemerke aber, dass ich mich außerhalb von mir suche. Ich mag nicht gern schreiben. -   Bei dem Gedanken, zu malen, sehe ich Menschengesichter, ich höre gerade ,,human beeing", ich bin erschüttert, mir kommen Tränen. Ich bin wieder ruhig und gelöst. Ich verbrenne ein Haar an der Kerzenflamme. Ich rieche den Brand von Horn. Kinder singen zum Rhythmus. Ob das ins Buch kommt? So kontrolliert der Verstand. Er will es wissen. Ich sage dem Verstand, er braucht nicht zu kontrollieren und zu werten. Miro, Alb#tros Sai Shuka und der kleine miro schauen sich den Text hinterher an. Was ins Buch kommt, ist später ganz klar. -   Ich mache Pause mit dem Schreiben. Ich spreche auf Band, was kommt! -
  328.1  Miro:  Ich will schreiben. -  Alb#tros: Was dich täglich auf der ganzen Front beschäftigt, ... - - das Wort ,,Front" willst du nicht schreiben. Es handelt sich jedoch um ein Frontmachen des Verstandes. Er ist darauf programmiert - als Verteidigungstaktik für seine Muster. –

 

095 – 098 – Sai Baba – Seele – Tod – Satan -  Was Hans und Helmut dazu sagen werden, wenn sie von meiner "Begegnung" erfahren, will ich nicht festlegen und ich will auch keine Vermutung äußern. Scheinbar hat es auch nichts zu tun mit der Behauptung: "Mit dem Tod ist alles aus!“ Helmuts Befürchtun­gen, es könnte schreckliche Konsequenzen für ihn haben, wenn er seine Meinung ändert, halten ihn mit Sicherheit von solchen Expe­rimenten ab. - Was ich darlege, ist meine Sicht, aus der ich sage: "Die Seele oder Psyche oder, wie ich dies hier nenne, das Bewusstsein braucht für die Existenz nicht zwingend notwendig einen Körper. Es lebt mit oder ohne Körper. Die Frage aber: "Glaubst du an ein Leben nach dem Tod?" ist ein Widerspruch in sich. Dieses NACH in der Frage ist ein zeitlicher Begriff. Die Seele ist ein zeitfreies Sein, das heißt, sie ist sowohl in der Zeit als auch außerhalb von ihr existent. Das Bewusstsein dringt in beliebige Bereiche oder Personen, mit denen es sich identifizieren kann, es kann sich in alles und nichts zum Ausdruck bringen. Wenn es aber das Nichtsein zu seinem Wesen macht, so ist es wiederum alles. Diese Erfahrung macht das Bewusstsein beim totalen Loslassen von allem was ist, bei der Schrumpfung zum Punkt, dem Wesen ohne Ausdehnung und ohne Dauer, dem Nichts. Es ist tatsächlich alles aus und gleichzeitig erzeugt dieses to­tale NICHTS durch sein SEIN sein Gegenteil: Das ALLES. Das ganze Universum ist aus Polaritäten, die einander bedingen oder einander erzeugen. Alles ist logisch und paradox. In unserer Welt besteht die Neigung, den einen Pol der Polarität so immens zu bevorzugen, dass der andere Pol als lästiges Anhängsel gilt, ausgebootet werden soll oder für nichtexistent erklärt wird. Sein hartnäckiges Wie­derauftauchen soll dann die böse Tat eines Verführers oder eines Satans sein, der als Betriebsunfall in einer ansonsten heilen Schöpfung Mist baut. - "Ich bin der Satan!" Diesen Satz spreche ich gelassen aus und man­cher in geistig liebevollen Höhen schwebender Esoteriker mag er­schrocken und angeekelt das Buch zuschlagen. Wenn dir so zumute ist, dann sage ich ebenso gelassen, dass du selbst Satan bist, den du aber in dir ignoriert hast. Deine Seele krankt am mangelnden Satan. Sie will dich heilen, indem sie dich immer wieder satani­sche Dinge tun lässt. Sie ist nicht heil, nicht ganz, nicht voll­kommen ohne Satan. Solange du deine Seele sich nicht in den Satan ausdehnen lässt und du Dinge von dir absägen musst, die du einem bö­sen Satan zuschreibst, solange wirst du Böses tun müssen und es nicht sein lassen können. Den Kerker für deine Seele hast du dir selbst gebaut mit deinem Erschaffen der Polarität und dem Ausblen­den eines Poles. - Wer zu dir sagt: "Tue das Gute!", der tut sich selbst etwas Böses: Er will dir die Entscheidung wegnehmen, die Freiheit, dich ent­scheiden zu können. Er selbst aber macht sich zum Gefangenen, zu einer Marionette. Darum will ich nicht zu Hans oder Helmut sagen: "Ändere deinen Standpunkt, und du lernst die andere Wahrheit ken­nen!" Was können Befehle schon bewirken. "Befehle nehme ich nicht an!", sagt das Wesen über mir in der Nacht, sondern es vollführt das, was es will und wozu ich mich bereit erklärt habe, nämlich, mich auf alles einzulassen. Mit meinem Befehl: "Du sollst mich tö­ten!" will ich mich über dieses Wesen stellen, es zu meinem Be­fehlsempfänger und Diener degradieren. - Wenn es in einer Religionslehre heißt: "Wer der erste sein will unter euch, der sei der unterste Diener!" oder, "Wer sich selbst erniedrigt, der wird erhöht werden!", so füge ich hinzu: "Wer sich selbst erniedrigt, um erhöht zu werden, der wird noch mehr ernied­rigt!"  Der Befehl: "Dienet Gott", ist bereits in sich ein Wider­spruch zu Gott. - Ich identifiziere mein Sein mit Gott und sage dir: "Ich fordere keinen Dienst von dir! So du dich liebst, liebst du mich, und wir sind gleich! Ich will, dass du mich erkennst, indem du dich er­kennst!" - Wie gesagt, sehe ich dies alles von einem Standpunkt aus und ist deshalb die volle Wahrheit. Verändere ich meinen Punkt der Sicht, so ändert sich die Wahrheit. Die Wahrheit ist halt nur paradox. Ich will es nicht versäumen, häufig genug darauf hinzuweisen, dass meine Lehre eine Irrlehre ist, dass sie aber dennoch Wahrheit ist, weil ich sie von meinem Standpunkt aus sehe. Dies immer wieder zu beachten, lehrte mich Sai Baba, der indische Guru, in einem Traum. - Dazu will ich die Vorgeschichte des Traumes erst erzählen: - Ich reise nach Madras in Indien, weil in dieser Gegend der welt­weit bekannte Guru Sai Baba sein Winterquartier hat. Genaueres muss ich erst erfragen und erfahre, dass der Meister in Bangalore sei, wo er eine Hochschule gegründet hat. Also richte ich meine Studienfahrt so ein, dass ich dort bald ankomme, am frühen Vormittag. Und gleich erfahre ich, dass Sai Baba gestern urplötzlich abgereist sei, und zwar in sein Winterquartier unweit von Madras. Die mei­sten seiner Anhänger seien ihm in der Nacht nachgereist. - Mir ist die Lust vergangen. Es sieht so aus, ich soll ihm nicht begegnen. Ich reise weiter durch das Land, es gibt so vieles, was mich interessiert und meine Aufmerksamkeit auf sich zieht. - Im folgenden Jahr will ein Freund mich in Indien treffen, um mit mir gemeinsam Sai Baba aufzusuchen. Ich willige ein und denke, dann klappt es vielleicht diesmal. Buchstäblich in letzter Sekunde er­reicht mich die Nachricht, dass dieser Freud nicht nachkommen kann. Es vergeht mir die Lust, mich um diesen Guru Gedanken zu machen. - Dann leiht mir einer ein Buch über die Sinneswandlung eines ameri­kanischen Therapeuten, der voller Ablehnung und Skepsis versucht, Sai Baba auf die Schliche seiner Taschenspielertricks zu kommen. Aber Sai Baba nimmt ihn schließlich für sich ein und verwandelt ihn in einen seiner glühendsten Verehrer. Ich folge dem Schrift­steller in seiner inneren Wandlung und empfinde ähnlich wie er, jedenfalls zolle ich dem Meister meine Anerkennung. Dann distan­ziere ich mich von diesem Standpunkt, um mich und Sai Baba von außen zu betrachten und bin letztendlich ziemlich sauer auf ihn, weil ich nirgendwo auch nur eine Andeutung davon fand, dass Sai Baba seine eigene Lehre selbst zu hinterfragen bereit ist. Im Gegenteil, er gibt Anweisung auf Anweisung, ein Befehlssatz folgt dem anderen. Und das alles soll seine Anhänger erlösen, erleuchten, befreien. - Bei Baghwan fand ich bald, als ich zum ersten Mal in seine Bücher schaute den Satz: "Wenn du glaubst, ich hätte dich auf den rechten Pfad gebracht, dann sei besonders wachsam!" Aber bei Sai Baba und seinem Therapeuten scheint mir Ähnliches zu fehlen. In der Medita­tion am folgenden Abend sende ich dem indischen Guru Sai Baba per Gedanken meine verärgerte Meinung und lege mich schlafen mit dem Gedanken: DU IRRLEHRER! - In derselben Nacht träume ich sehr deutlich von Sai Baba: Wir sit­zen auf einem großen Bett voreinander. Ich erkenne ihn sofort an seinem freundlich lächelnden Gesicht, wie ich ihn von Bildern kenne mit seiner Astronauten - Frisur. Er spricht mich sofort an: 'Hör mal du, du hast doch so ein schlaues Sprichwort > Was du bei anderen siehst, das bist du selber! < Und wir brechen beide in Ge­lächter aus, laut und lauter, bis ich von meinem eigenen Gekicher erwache. Ich bin noch halb im Traum und doch schon wach und halte mir den Bauch vor Lachen, sitzend in meinem Bett, während Sai Ba­bas Bild und Gelächter sich auflösen. - "Ach, das hast du doch nur geträumt! Das ist deine Traumfantasie, du bildest dir das alles nur ein! Sai Baba weiß bestimmt nichts von deinem Traum. Das ist alles deine Hirnarbeit!" höre ich Hans sagen. Darum fahre ich fort mit einem Gedankenexperiment darüber, was ich dem Hans sagen will, ob ich ihm Recht gebe oder nicht. Ich werfe in Gedanken eine Münze in die Luft. Fällt sie mit der Zahl nach oben, stelle ich mich auf den Standpunkt 'Hans hat recht'. Kommt das Bild oben zu liegen, beweise ich dem Hans, dass er Un­recht hat. Ich mache das Experiment, wie gesagt, das Geldstück wirbelt durch die Luft, fällt auf die Fliesen am Boden und bleibt auf der Kante stehen. An diese Möglichkeit hatte ich nicht gedacht. Alle reine, aber intuitive Hirnarbeit! - Es ist auch egal, ob Sai Baba daran erinnert, dass seine Lehre ebenso gut in die Irre führt wie jede andere Lehre, wenn der "folgsame" Schüler nicht eines Tages sich selbständig macht und die Machbarkeit jeder Lehre erkennt. - Seine Frage "Meister, wie werde ich auch ein Meister?" stellt er dann nicht mehr, sondern geht seines Weges entweder in das be­kannte Dorf oder in das unbekannte Gelände. Hauptsache, er fragt nicht mehr seinen "Meister" um Entscheidungshilfe. Selbst wenn dieser ihm eine Entscheidung anbietet oder rät, um seinen "Verehrer" auf die Probe zu stellen, so schaut sein "Schüler" diese Hilfe wohlwollend an um doch die Entscheidung selbst zu fäl­len und zu verantworten. Er gibt nicht dem "Meister" die Verant­wortung, er habe ihn ja auf diesen oder jenen Weg geschickt, denn er selbst ist sein Meister. An der Weggabelung ist die Strecke der gegenseitigen Begleitung zu Ende und die Wege trennen sich wieder einmal, wohl wissend, dass jeder dem anderen alles von sich mit auf den Weg gegeben hat. - Es ist darum auch unerheblich, wer von den beiden in das bekannte Dorf und wer in das unerforschte Gebiet auf der anderen Seite des Flusses geht. Sie gehen beide sowohl nach links über die Brücke wie auch geradeaus in das Dorf. Ihr Einswer­den vollzog sich während der Stille des verbalen Schweigens in der telepathischen Sprache von Herz zu Herz, von Seele zu Seele, in der Sprache der Liebe. Die Seele des einen wandert zur Seele des anderen und umgekehrt. Der eine gibt sein Sein dem anderen und um­gekehrt. Es wandern zwar zwei Gestalten den Fluss hinunter, in der Stille sind sie zu einer Gestalt geworden zu, einem Wesen. Die Frage, wer ist der Meister und wer sein Schüler, gibt es nicht, oder die Antwort müsste heißen: Jeder ist beides, Meister und Schü­ler. –

 

099 - 102 – Seelenwanderung – Rebirthing - Der Augenschein erzeugt oft Verallgemeinerungen, die zu Glaubenssätzen erstarren bis hin zu der Überzeugung, es handele sich um ein unumstößliches Naturgesetz. Was nicht hineinpassen will, wird gerne als "Ausnahme von der Regel" beiseitegeschoben. Umso größer sind dann die erforderlichen Anstrengungen, solche  Beobachtungen in die Erkenntnis und Bewusstheit zu integrieren. "Die Sonne dreht sich um die Erde!" Das war einmal unumstößliche Meinung, denn jeder kann es selbst beobachten, wenn er den Lauf der Sonne während eines Tages verfolgt. Und was unumstößlich ist, ist auch umstösslich, was die Geschichte in dem genannten Beispiel gezeigt hat. - Wir wissen aber doch, dass es in der Welt Dinge gibt, die nicht gleichzeitig auftreten. Entweder ist ein Fußball auf dem Spielfeld oder derselbe Ball ist nicht auf demselben Spielfeld. Die Möglichkeit, dass beides wahr sein kann, schließen wir gern kategorisch aus. Was bringt es auch schon praktisch, sich die Tatsache auszumalen, dass der Ball gleichzeitig im Aus ist und doch mitten auf dem Platz. Solche Anstrengungen haben keinen praktischen, physischen Wert, und deshalb finden sie auch nicht statt. - Dennoch verbirgt die Natur das meiste ihrer ganzen Realität vor dem rein physisch denkenden Bewusstsein. Wie ich das meine, will ich mit folgendem Vergleich erläutern: - Ich nehme eine magnetisierte Stricknadel und stecke sie so tief in den Sand, dass nur eine Spitze herausragt. Ich behaupte, einen Magneten mit nur einem Pol zu haben. Die Probe mit einer Kompassnadel beweist es, dass nur ein Nordpol vorhanden ist. Ein kritischer Beobachter aber kommt auf die Idee, dass der andere Pol versteckt sein könnte, denn er kennt bisher nur Magnete, die allesamt zwei Pole besitzen, nämlich einen Nordpol und einen Südpol. Ich nehme deshalb eine Zange und kneife das herausragende Ende der Stricknadel über der Sandoberfläche ab. Doch dieses Stückchen Nadel besitzt an der Spitze einen Nordpol wie bisher, während das andere Ende ein magnetischer Südpol ist. Wir holen das andere Stück der Nadel aus dem Sand und finden an der abgekniffenen Stelle einen Nordpol und an der ursprünglichen Spitze einen Südpol. Nord- und Südpol existieren nur gleichzeitig, auch wenn ich mir ein Experiment ausdenke, bei dem es den Anschein hat, es gebe einen alleine existierenden magnetischen Pol. - Meine physische Realität entspricht demjenigen Ende des Magneten, dessen Pol sichtbar ist. Ich habe mir meine Welt so eingerichtet, dass viele solcher Polaritäten mit dem einen Ende darin funktionieren, während die dazugehörigen Gegensätze latent ihre Unterstützung für die ganze Wahrheit hergeben müssen. - Sie Seele oder das Bewusstsein, das sich in einer physischen Realität aufhält und darin experimentiert, erlebt zunächst nicht die Doppelpoligkeit der Glaubenssätze, Wahrheiten und Naturgesetze, bis unerklärliche Erfahrungen zu tieferer Erkenntnis auffordern. Der Glaube, außer dieser physischen, materiellen Welt existiere nichts Weiteres, kann viele praktische Erfolge bringen. Aber das Gegenteil ist auch wahr: die metaphysische Welt existiert auch. Es ist sogar auswechselbar, welche Welt ich als die physische und welche ich als die nichtphysische betrachte. In Visionen und Ekstasen kann es sehr wohl geschehen, dass die andere Welt um ein Vielfaches realer erlebt wird, als diese Umwelt, die mir ansonsten als das Realste im Universum vorkommt. - Wer glaubt, die nichtphysischen Realitäten als Spinnerei, Fantasie, Einbildung, Hirngespinst, Fiktion oder Luftschloss abtun zu müssen, holt sie damit schon etwas näher ins Bewusstsein. Wenn Hans und Helmut behaupten, mit dem Tod ist alles aus, so funktioniert ihre Spielregel deshalb, weil das Gegenteil auch wahr ist. Sie machen nichts Richtiges oder Falsches mit ihrer Einstellung, sondern leben ihre Rolle als nur- physische Wesen perfekt, wie ein Schauspieler, der während der Vorstellung nur das Wesen ist, das er spielt und dabei die Straße draußen vor dem Theater nicht als real zulässt. So zu sein, steht jedem Bewusstsein zu, dies zu sehen oder zu ignorieren ebenfalls. Meine Erfahrungen lehren mich, so zu denken und es so auszudrücken. - Eine andere Erfahrung machte ich beim Atmen, das auch Rebirthing genannt wird: Ich nehme zum ersten Mal und ohne Vorkenntnisse an einer solchen Atemübung teil. Mir fällt auf, dass das Gesicht der mir gegenüber sitzenden Frau sich ständig verändert, oder besser gesagt, es lagern sich andere Gesichter darüber. Ich sehe doppelt, ähnlich wie es im luziden Traum vorkommt, dass Traum und Realität aufeinander gepackt sind, so sehe ich das Gesicht der Frau mehr oder weniger deutlich von einem anderen Gesicht überlagert. Die Atemübung geht weiter und ich spüre an den Handgelenken schwere Schellen, die meine Arme belasten. Ich schaue mir meine Unterarme an und weiss genau, dass ich eine Atemübung mache. Die Metallreifen sind nicht real vorhanden, dennoch sehe ich sie in Imagination und spüre sie physisch. Das Gesicht der Frau mir gegenüber rückt weg, etwa drei Meter und ich sehe eine stehende Gestalt. Ich weiß genau, diese Gestalt ist das Wesen, das mich von den Fesseln der Galeerenbank lösen kommt. Ich bin in einer beinah quälenden Glücksekstase, wir schauen und in die Augen und frage: "Wer bist du?" Das Wesen antwortet: "Ich!" Dann wandelt sich das Bild. Ich sehe die Vision mit dem Feuerball hinter der Betonwand erneut und erlebe das Näherkommen  in gleicher Heftigkeit. Ich frage: "Und wer bist du?" Das Licht antwortet, das bin ich auch!" - Dann erlebe ich den kosmischen Orgasmus erneut mit dem Wesen, das mich tagelang umkreiste und schließlich in der Nacht sich in mich hinabsenkte. Auch dieses Wesen frage ich: "Und wer bist du?" - "Das bin ich auch!" - Die Atemübung wird fortgesetzt. Ich lache und weine vor Freude, weil ich alle meine Visionen und Ekstasen und alle Wesen darin wieder erlebe. Alle sind immer derselbe gewesen. Ich frage: "Und wer ist diese Frau, die vor mir am Boden sitzt?" "Das bin ich auch!" kommt sofort die Antwort. - Ich bin erschüttert von diesem Erlebnis, das etwa zwei Stunden dauerte. Wer auch immer mir begegnet, es ist derselbe, der mir begegnet. Ich sehe ihn in allem, was ist. Außer mir existiert nur ein einziges Wesen, das mir in unzählbar vielen Gesichtern, Gestalten und Gewändern begegnet. - Dies sage ich der Frau beim anschließenden Gespräch. Sie schüttelt den Kopf und meint: "Das begreife ich nicht! Das hört sich so unglaublich an! Das könnte irgendwo so geschrieben stehen!" - Inzwischen habe ich viele Menschen kennen gelernt, die auch die Erfahrung machten, dass ihnen keiner glauben will oder dass sie sogar für verrückt gehalten werden. Ich weiß inzwischen, dass es nichts gibt, was es nicht gibt. Was ich denken kann existiert bereits, ich sende nur meine Bewusstseinsfühler in die Realität. - Aber ich will noch einmal zurück zu meinem Erlebnis auf der Galeerenbank, das ich in dieser Atemübung hatte. Ich erinnerte mich gleich nach dem Seminar an eine Filmszene, wo Galeeren angekettet auf ihrer Bank sitzend zum mörderischen Takt des Antreibers das Schiff beschleunigen müssen. Der Anblick löste damals in mir heftigste Emotionen aus, ich hatte die grausamsten Ideen, wie ich die Quälgeister der Galeerenhäftlinge selbst so quälen könnte, dass sie ihr Tun schleunigst aufgeben und die Leute von ihren Fesseln befreien sollten. Mit dieser Verurteilung hatte ich einen Teil des Seins aus mir verbannen wollen. Ich wollte die Rolle des Peinigers ignorieren und die Rolle des Wohltäters als alleingültig erklären, wobei ich mich unbewusst schon in die Rolle des Peinigers begab. Ich wollte eine Realität mit nur einem Pol schaffen. - Ich könnte jetzt sagen: "In einem meiner früheren Leben war ich ein Galeerensträfling!" Das ist Ansichtssache, ob ich dies als Wahrheit betrachte oder nicht. Ich erlebe es ganz einfach so: Mir fehlt der eine Pol des Bewusstseins, dass ich ein Peiniger, ein Quälgeist oder dergleichen sein muss, wenn ich andererseits ein Wohltäter und Erlöser sein will. Ich transformiere mich deshalb in das Leben eines Galeerenhäftlings und akzeptiere erst einmal die Opferrolle. Ich erlebe beim Atmen die Erlöserrolle in dem beglückenden Wesen, das mich von den Ketten befreit. In einer weiteren Rückführung erlebe ich mich selbst sowohl als den Erlöser als auch als den Übeltäter, der mit der Peitsche diesen selben Häftling zu größerer Leistung antreiben will. Wo steckten meine Vorurteile und wie sahen sie aus? Nur ich selbst machte aus der ganzen Szene Gut und Böse. Sie ist aus sich weder gut noch böse. - Mein Bewusstsein ist "gewandert", das darf ich auch "Seelenwanderung" nennen. –

 

103 - Romeo und Julia Seelenwanderung –

"Hallo, Julia! Wie schön, dass du auch schon tot bist! Kannst du mir sagen, wo ich meinen Körper verlegt habe? Ich kann dich zwar auch nur als Lichtgestalt sehen, aber von mir selbst habe ich keine andere Wahrnehmung, als dass ich weiß, dass ich hier bin und dich sehen kann. Und wie schön du aussiehst, Julia! Strahlend, glänzend, beglückend! Ich fühle Wärme von dir zu mir strömen, die mich ganz irre macht vor Glück und Verlangen nach dir. Du nickst. Ich liebe dich, Julia, tausend Mal heftiger als ich glaubte ertragen zu können." - Romeo ist sich bewusst, dass er mit Julia gemeinsam in den Tod gegangen war. Und jetzt sieht er sie wieder, er ist völlig fassungslos im wahrsten Sinne des Wortes, nämlich ohne Einfassung in einen Körper. Er sieht sie klar und deutlich als Gestalt aus Licht. Er wartet auf ein Wort von Julia, die ihn liebevoll anlächelt, aber ebenso liebevoll schweigt. Sie befinden sich beide in einer Höhle in einem Berg aus Granit. Vom Höhleneingang her dringt noch der Schein des Sonnenlichtes bis zu ihnen vor, während die Höhle noch weiter in den Berg hinein führt, wo so gut wie nichts mehr zu erkennen ist in der Finsternis. Julia scheint schwerelos eine Handbreit über einem Stein zu schweben, aufrecht, die Arme leicht angewinkelt und geöffnet, so als wollte sie sagen: >Komm nur in meine Arme, Romeo. Auch wenn du keinen Körper hast, so nehme ich dich doch vollkommen wahr<.  - Endlich öffnet sie ihren Mund, denn Romeo scheint ihre wortlose Sprache des Herzens noch nicht zu erkennen: "Du suchst deinen Körper, Romeo. Das gelingt dir nicht, Du findest ihn nicht, wenn du ans Suchen denkst. Wir sind und bekommen hier immer das, was wir gerade denken. Ich zeige es dir." - Julia denkt: >Ich bin der Stein unter meinen Füssen<. und im selben Augenblick verlischt die Lichtgestalt und der Stein leuchtet. Das nimmt Romeo wahr und ist ratlos. - "Bitte zeig dich wieder, Julia, ich habe solche Angst, wenn du verschwindest."... Verschwindest - verschwindest - verschwindest - so wiederholt es die Tiefe der Höhle immerzu, leiser und leiser werdend, ein endlos sich wiederholendes Echo. Es ist die Hölle! Das Leuchten des Steines klingt dabei ab, mehr und mehr. Romeo beschleunigt das Erlöschen mit seinen Gedanken an den endgültigen Verlust von Julia: Sie ist fort. Er, körperlos, einsam, hilflos, verlassen und doch bewusst. > Wie schrecklich! < denkt er und damit überkommen ihn der totale Schrecken, die Angst, das Schaudern. - >Ich will zurück zu meinem Körper, den ich im Leben auf der Erde hatte und alles noch einmal betrachten<. –

 

104 – 105 -  Drei Spuren im Schnee –

D R E I   S P U R E N   I M   S C H N E E - Drei Spuren im Schneefelde reden zu mir: - Drei Wesen gemeinsam erwanderten hier - den sonnigen Morgen in gleißendem Licht - Gemeinsam sie wanderten dicht bei dicht. - Hier kommen sie her, ihre Spuren, zur Linken - wo Fichten und Birken den Schatten noch trinken - der klimmenden Sonne dort über den Hügeln - wo Waldwogen grüßen mit schwingenden Flügeln. - Leis legen sie nieder sich vor meinen Schritt - die redenden Spuren der Wandrer zu dritt - Sie singen ein seliges Lied mir, die drei - Sie suchen die Ferne und ziehen vorbei. - Noch stehe ich lautlos und atme die Stille - die schweigend, beglückend mein Herz überzieht - Mein Blick folgt den schwindenden Wesen, den dreien - die ahnend und fühlend der Schauende sieht - Heinsberg, den 10. September 1989 - Leonhard Johann Campen. - Die "drei Spuren im Schnee" sind ein Netz von Eindrücken, Visionen und Träumen. Als ich im Frühjahr 1988 von Bayrischzell zurückkam, verweilte ich drei Tage in Kelkheim und machte eine Wanderung nach Epstein an einem der Pfingsttage. Auf der Bergeshöhe angekommen konnte ich auf Epstein blicken. Ich machte Rast und ruhte mich auf einer Bank aus. Es war ziemlich heiß, zumal ich vom Steigen erhitzt war. Ein leichter kühler Wind kam den Berg hoch. Ich fiel in Trance, sah die Landschaft ganz klar und deutlich, darüber schob sich das Bild einer Winterlandschaft, wie ein doppelt belichtetes Foto: einmal die Dächer von Epstein, darüber die Schneelandschaft. Dann verwandelte sich das Visionsbild in ein Gemälde mit einer Winterlandschaft von einem verstorbenen Graphiker namens Bonson. Ich hatte dieses Bild bei seiner Tochter gesehen und fühlte mich sehr stark angesprochen. Dieses Bild überlagerte Epsteins Dächer und die Umgebung, ich war mir meiner Trance klar bewusst, dass ich doppelt sah. Dann drängte sich mir in Rhythmus und Sprache "drei Spuren im Schnee" auf. Ich hörte es wiederholt in mir ganz deutlich und ich sah die parallelen Spuren, wie sie sich in weiten Schwingungen an mir vorbei durch die Landschaft wanden und sich in der Ferne am Horizont meinem Blick entzogen. - Auch Bilder, auf denen Wege, Straßen oder Schienen sich in der Ferne verlieren, haben mich von Kind an fasziniert. Da war auch die Flit- Dose, mit der wir in meiner Kindheit die Stubenfliegen zu bekämpfen suchten, auf der war wieder dieselbe Flit- Dose verkleinert abgebildet und darauf wieder kleiner und wieder kleiner. Der Gedanke, dass es immer so weitergehe und ich alles in einem Punkt erfassen konnte, versetzte mich als Kind in einen regelrechten Rausch, ich verschwand dabei selbst in der Tiefe des Blickpunktes.            

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